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Angehenden Essener
Abiturienten ein Projektpraktikum anzubieten, dass den Polizeialltag
ungeschminkt und absolut realitätsnah abbildet – und die Schüler damit
in die Lage versetzt, sich ein sachliches und objektives Urteil darüber
zu bilden, ob sie den Polizeiberuf wirklich ergreifen wollen: Mit diesem
ehrgeizigen Ziel traten das Polizeipräsidium Essen und die Agentur für
Arbeit Essen im Frühjahr 2003 an. Gut eineinhalb Jahre später kann eine
überaus positive Zwischenbilanz gezogen werden: Alle sechs
Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das Projekt im Schuljahr 2003/2004
absolvierten, haben sich für das polizeiliche
Einstellungs-Auswahlverfahren in Münster beworben. Doch damit nicht
genug. Mit Beginn des Schuljahres 2004/05 hat die zweite Auflage des
Projektes begonnen, die Zahl der teilnehmenden Schulen wurde von drei auf
sechs erhöht: Womit eine nahezu komplette Flächendeckung des Essener
Stadtgebietes erreicht ist.
Dieses,
auf Landesebene einmalige, Pilotprojekt mit dem Titel „Teamwork live –
Schüler erfahren den Polizeidienst“ ersetzt das allgemein bekannte Schülerbetriebspraktikum
nicht. Es dient vielmehr als sinnvolle Ergänzung, geht aber in Art,
Umfang und Zielsetzung weit über das Spektrum des bisherigen Angebotes
hinaus. Der entscheidende Unterschied: „Teamwork live“ wendet sich nur
an diejenigen Schüler, die schon unmittelbar vor der eigenen
Berufswahlentscheidung stehen – und somit gleich im Anschluss an das
Projekt „ihr“ persönliches Fazit ziehen können: Andrea Wolski,
Simone Jablowski (beide B.M.V.-Schule), Simon Batz und Markus Zimmnau
(Gymnasium Borbeck), Mike Kozlowski und Sebastian Welz (Gesamtschule Süd),
die allesamt am Auftaktprojekt teilnahmen, taten genau dies und kamen zu
dem Entschluss, sich allesamt für den Beruf des Polizeibeamten bewerben
zu wollen.
Bis
dahin war es ein weiter Weg. Sowohl für die Schülerinnen und Schüler,
aber auch für diejenigen, die für das Projekt „Teamwork live – Schüler
erfahren den Polizeidienst“ verantwortlich zeichnen. Die ersten lockeren
Kontakte zwischen dem von der Essener Agentur für Arbeit aufgelegten
Projekt „Schule – Wirtschaft – Arbeitsmarkt“ und dem Polizeipräsidium
Essen wurden bereits im Februar 2002 geknüpft. Marc Steinert, der zuständige
Projektkoordinator, schildert die Beweggründe der Arbeitsagentur für den
damaligen Kooperationswunsch: „Bislang wurden von uns gut 90
berufsvorbereitende Projekte realisiert, die sich quer durch alle Branchen
ziehen. Sämtliche Projekte sind immer ganz individuell auf die Bedürfnisse
der jeweils beteiligten Unternehmen und Schulen zugeschnitten, kein
Projekt gleicht in Art, Dauer und Umfang dem nächsten – bloß die
Zielsetzung ist immer identisch: Nämlich den Schülern einen absoluten
praxisnahen Bezug zur beruflichen Realität zu ermöglichen. Tragfähige
und stabile Berufswahlentscheidungen lassen sich nun mal am besten durch
eigene praktische Erfahrungen treffen – keine noch so aufwändig
gemachte Hochglanzbroschüre kann realistischer als ein Projektpraktikum
sein. Und genau hier lag für uns der Reiz, auch eine Institution wie die
Kreispolizeibehörde Essen von diesem konzeptionellen Ansatz zu überzeugen.“
Im
Anschluss an die Sondierungsgespräche begann die Arbeit für
Polizeikommissar und Einstellungsberater Heiko Müller erst so richtig:
„Die behördeninterne Planungs- und Abstimmungsphase hat fast ein Jahr
in Anspruch genommen, da sich ein dermaßen ambitioniertes Projekt nicht
mal eben ‚nebenbei’ konzipieren lässt“, sagt Müller, der das
Projekt federführend für die Essener Kreispolizeibehörde betreut. Und
weiter: „In Absprache mit nahezu allen Dienststellen haben wir eine Projektskizze
entwickelt, die den beteiligten Schülern einen ungeschminkten Einblick in
die Welt unseres Berufes vermittelt. Wobei wir – trotz aller Realitätsnähe
– trotzdem großen Wert darauf legen, dass die Schüler den
Polizeialltag lediglich in begleitender Funktion erleben. Und nicht etwa
in die jeweiligen Handlungsabläufe integriert werden.“ Im Klartext: In
sensiblen Bereichen, beispielsweise Vernehmungen von Verdächtigen,
bleiben die Jugendlichen - schon allein aus datenschutzrechtlichen
Bestimmungen – außen vor.
Dennoch
erleben die Projektteilnehmer in den jeweils vier einwöchigen Blöcken
ein straff durchorganisiertes tägliches Achtstunden-Programm – Früh-
und Spätschichten inklusive. Auf dem Dienstplan stehen Kennenlernen des Führungs-
und Lagedienstes, des Verkehrs- und Erkennungsdienstes, der
Bereitschaftpolizei-Hundertschaft , die Mitarbeit in einer
Polizeiinspektion und natürlich auch die sogenannte
„Routinearbeit“ – eben alles, was zum Polizeialltag dazugehört. Und
dafür müssen die Schüler durchaus einige Opfer in Kauf nehmen. Auch
wenn während der vier – auf das gesamte Schuljahr verteilten –
Projektwochen statt Mathe und Englisch Tatortbesichtigungen, Verkehrsüberwachungen
und die Mitarbeit bei erkennungsdienstlichen Maßnahmen auf dem
Stundenplan stehen: Der verpasste Unterrichtsstoff muss selbstverständlich
von allen Teilnehmern nachgeholt werden – eine der Grundvoraussetzungen,
um
überhaupt am Projekt teilnehmen zu dürfen. Koordinator
Marc Steinert: „In den von Herrn Müller und mir geführten Vorgesprächen
mit den jeweiligen Schulen haben wir von Anfang an deutlich darauf
hingewiesen, dass eine Projektteilnahme keinesfalls
mit schulischen Nachteilen verbunden sein darf. Nur notenstarke Schüler
kamen in die engere Auswahl.“ Mehr als 40 Interessenten gab es für die
sechs zur Verfügung stehenden Plätze beim Auftaktprojekt – den drei
Einstellungsberater des Polizeipräsidiums Essen blieb letztlich die
schwierige Aufgabe, nach Abschluss der „Bewerbungsgespräche“ die am
besten geeigneten Schüler zu benennen. Am 13. Oktober 2003 begann für
die sechs qualifizierten Schülerinnen
und Schüler das „Abenteuer Polizei“. Es endete wenige Tage vor den
Sommerferien 2004. Und zwar, wie Eingangs erwähnt, mit der Abgabe der
offiziellen Bewerbungsunterlagen bei Heike Nachtigall, Wilfried Tönneßen
und Heiko Müller – genau jenen drei Einstellungsberatern, die ein
knappes Jahr zuvor auch die Schüler-Auswahl getroffen hatten.
Die Frage, ob
sich der verhältnismäßig große Aufwand seitens der Polizei
für die verhältnismäßig kleine Teilnehmergruppe lohnt, beantwortet
Michael Weber. Der Polizeihauptkommissar und Leiter der Dienststelle Öffentlichkeitsarbeit
im Polizeipräsidium Essen nimmt Stellung: „ Das Projekt wird von unserer
Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr ausdrücklich befürwortet und
unterstützt - genau so, wie es schon bei Vorgänger Herbert Schenkelberg
der Fall war. Denn nach wie vor bietet es uns eine hervorragende Möglichkeit,
interessierten Nachwuchs auf sehr effiziente Weise an unser Berufsbild
heranzuführen. Natürlich bringt die intensive Betreuung der
Projektteilnehmer ein hohes Maß an zusätzlicher Belastung für die
eingesetzten Kollegen mit sich. Doch aus den jeweiligen Dienststellen
erhalten wir immer wieder die Rückmeldung, dass die Schülerinnen und Schüler
mit großem Einsatz und großer Motivation bei der Sache sind – und
genau dieses positive Verhalten fördert wiederum bei den Kollegen vor Ort
die Bereitschaft, sich in dieses Projekt mit genau so großem Engagement
einzubringen.“
Genau diese
Erfahrung haben auch die sieben neuen Projektteilnehmer bereits machen dürfen.
Für sie stand gleich nach dem Beginn des Schuljahres 2005/2006 vom 9. bis
15. September die Auftaktwoche von „Teamwork live – Schüler erfahren
den Polizeidienst“ an. Auch für Agata Bordewicz und Miriam Wieacker
(Gymnasium Borbeck), Agata Kotula (Gesamtschule Süd), Kristina Dübbers (B.M.V.-Schule),
Till von der Meden (Gymnasium Überruhr) sowie Sarah Kiwitt
(Leibniz-Gymnasium) und Lukas Groß-Heimann vom Gymnasium Werden bietet
sich nun die Chance, eine große Hilfestellung im Hinblick auf ihre
Berufswahlentscheidung zu erhalten. Ob auch sie sich allesamt nach
Abschluss des diesjährigen Projektes im Sommer 2005 für den Polizeiberuf
entscheiden, bleibt abzuwarten. Einstellungsberater Heiko Müller wünscht
sich, dass die diesjährigen Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer einen
ähnlichen Weg gehen und ein ähnliches starkes „Wir-Gefühl“
entwickeln werden, wie es die Schüler des ersten Projektes vorgemacht
haben.
„Der Zusammenhalt, der Team-Spirit und das Engagement der Sechs über
den Zeitraum von einem ganzen Schuljahr haben mir unheimlich viel Freude
bereitet. Es hat Spaß gemacht, diese jungen Menschen auf einem wichtigen
Stück ihres Lebensweges begleitet haben zu dürfen.“ Sagt es – und
blickt auf eine große Fotocollage an der Wand seines Büros im Essener
Polizeipräsidium. Ein Geschenk der Projektteilnehmer zur Erinnerung an
eine spannende und überaus lehrreiche Zeit bei der Kreispolizeibehörde
Essen.... |