WAZ Nr. 206, Mittwoch, 05. September 2001
Schüler bauen mit Profis für ihre Zukunft
Immer mehr Unternehmen haben Schulen als Partner
Von Andreas HeinrichDas Bauschild steht, der
Grundstein liegt, es kann losgehen. An der Gesamtschule Nord in Vogelheim entsteht
ein Werkstattgebäude. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch hier bauen Schüler mit
Profis. Stein für Stein.
Die Schule will ein Haus, das Handwerk guten Nachwuchs.
Die Begeisterung ist den Jugendlichen anzumerken: Mit
Arbeitskleidung, Helm und Handschuhen stehen sie auf
der Baustelle. Hier wird demnächst für Schüler der 9. und 10. Klassen Unterricht
stattfinden. "Ich freue mich auf
die Arbeit", sagt Yildarei, der bereits ein Praktikum als Tischler, Dreher und
Installateur gemacht hat. Und auch
sein Klassenkamerad Dennis wartet nur darauf, endlich anpacken zu können. "Am
liebsten arbeite ich mit Holz."
Handwerk, meint er, das wäre vielleicht was für ihn. Scheu vor Hammer und Nägeln kennt
er nicht. Die Schüler-
gruppen werden in den nächsten Monaten alle Gewerke am Bau kennenlernen und in die Rolle
von Maurern,
Elektrikern, Schreinern, Dachdeckern, Pflasterern und Installateuren schlüpfen. Das
Bildungszentrum des Bau-
gewerbes stellt die Profis, die auch in der Ausbildung tätig sind. Überhaupt hat das
Projekt, wie Schulleiterin
Sabine Bellers betont, bisher jede Menge Unterstützung erfahren, bis hin zum
Gemeindepfarrer Gerhard Witzel,
der sich auf den Weg machte und Unternehmen in der Umgebung als Kooperationspartner
suchte. Nur mit
Hilfe von Sponsoren wird der Bau errichtet.
Mit Blick auf den Standort in einem Stadtteil mit vielen Sorgen sieht die Gesamtschule in
dem Projekt eine gute
Möglichkeit, Jugendliche für eine berufliche Ausbildung zu motivieren. Insofern ist das
Werkstattgebäude, in
dem künftig Kunst- und Technikunterricht stattfinden soll, auch ein Haus für die
persönliche Zukunft jedes ein-
zelnen: "Wer hier positiv auffällt, hat beste Chancen auf eine Lehrstelle",
meint Thomas Mikoteit, Berufsberater
beim Arbeitsamt.
Die Baufirmen und Sponsoren engagieren sich nicht uneigennützig: "Gebaut wird immer,
und gute Arbeitskräfte
werden stets gebraucht", heißt es. Bilfinger & Berger Bau, die Aluminium Essen
GmbH, die Goldschmidt AG,
Siemens, die Krupp Kunststofftechnik, Mercedes Lueg, die Gartenbaufirma Peters- an die 50
Unternehmen
sehen in einer Partnerschaft mittlerweile den besten Weg, motivierte Jugendliche für
zukunftsweisende Berufe
zu gewinnen. Oft über Praktika oder Schnupperkurse an der Werkbank, wo das Wort des
Meisters plötzlich
ein ganz anderes Gewicht bekommt.
Das Arbeitsamt ist froh über dieses Engagement: Viele interessante Berufe seien gar nicht
bekannt, beklagt
Mikoteit. Beim Arbeitsamt hofft man, dass in Zukunft jede Schule mindestens einen Betrieb
als Partner an der
Seite hat.
- Quintessenz
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Der Bau beginnt: Filiz Azak, Serkan Düzgün und Dennis Blank (v.l.) üben schon
mal den Umgang mit
Kelle und Mörtel.
waz-Bild: Volker Hartmann
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WAZ Nr. 206, Mittwoch, 05. September 2001- Quintessenz
Kooperation Schule und Wirtschaft
Fähigkeiten aufspüren
Von Andreas Heinrich
Wer weiß schon als Jugendlicher, wie welcher Beruf im Alltag
wirklich aussieht. Auch Lehrer und Eltern haben
oft nur eine vage Vorstellung. Viele gute Möglichkeiten in der Arbeitswelt bleiben
Jugendlichen verschlossen.
So drängt die Masse auf einen Bruchteil der Berufe, was die Chancen nicht gerade erhöht.
Traditionelle Tätig-
keiten bleiben oft auf der Strecke wie absolute Neuheiten.
Kooperationen von Betrieben und Schulen, die über einfache Praktika hinausgehen, können
helfen, diesen
Irrweg zu verlassen und Chancen zu erhöhen. Es geht dabei nicht nur um schlichte
Informationen, sondern auch
darum, Begeisterung zu wecken, Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern. Die Gesamtschule
Nord geht da ei-
nen fortschrittlichen Weg.
Für die Wirtschaft wird sich das Engagement auszahlen. Denn einen guten Auszubildenden zu
bekommen, wird
künftig bei sinkenden Schülerzahlen immer schwieriger.
| NRZ - Mittwoch, 05.
September 2001 Schüler bauen ihre
Werkstatt selbst
Berufsberatung / Jugendlichen das Handwerk nahe bringen, ist Ziel des Projektes
an der Gesamtschule Nord
Der erste Schritt auf dem weg zur eigenen Werkstatt ist getan: Die
Schüler und Lehrer der Gesamtschule Nord
in Vogelheim feierten gestern die Grundsteinlegung für ihre hauseigene Außenwerkstatt.
"Ich hoffe, dass das
Gebäude im Sommer nächsten Jahres fertig ist", sagt Dirk
Katthagen,
Projektkoordinator der Stadt. Die Werk-
statt ist der ideale Ort für die Schüler aus dem Kunst- und Technikunterricht, die dort
richtig loslegen können,
wenn`s staubt und Schmutz nicht zu vermeiden ist.
Elektriker, Dachdecker und Maler in einer Person
Dass die Schüler der neunten und zehnten Klassen selbst für den Bau
verantwortlich sind, versteht sich von
selbst. Schließlich beteiligt sich die Schule mit der Aktion an der Projektreihe
"Schule-Wirtschaft-Arbeitsmarkt".
Und dabei geht es nicht ums Zugucken. Ziel ist es, den Jugendlichen die handwerklichen
Berufe beim Bau
nahe zu bringen. Ausbilder der Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) in Essen und Wesel
und die Lehrer
stehen den jungen Menschen zur Seite. Arbeitsteilung ist nicht gefragt: Jede
Schülergruppe soll verschiedene
Berufe wie Elektriker, Maler, Schreiner, Dachdecker oder Installateur kennen lernen.
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Jetzt kann gebaut werden: Schulleiterin Sabine
Bellers, Hendrik Schneider vom BZB Wesel (von
links), Annette Schulze, Leiterin des BZB Essen
(2.v.r.) und die jugendlichen "Bauleiter" bei der
Grundsteinlegung.
(NRZ-Foto: Hans Hartwig)
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Das Geld und das Material für die rund 70 Quadratmeter große
Außenwerkstatt ist durch Sponsoren aus der
Wirtschaft zusammen gekommen. Weitere interessierte Betriebe können sich an die Schule
oder die Be-
rufsberatung des Arbeitsamtes wenden. Mehr Infos zum Projekt gibt es unter
www.schule-wirtschaft-arbeitsmarkt.de.
(JaK)
| Wochenpost Nord
11. September 2001 Schule und Beruf in einem
Schüler sollen möglichst früh einen Einblick in die Berufswelt bekommen. Das
Arbeitsamt unterstützt viele Schulen dabei. Das neueste Projekt wird an der Gesamtschule
Nord realisiert.
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", wurde und wird
den Schülern immer wieder erzählt.
In vielen Fällen soll diese alte Volksweisheit sogar stimmen. Ein Paradebeispiel dafür
liefert derzeit die Gesamtschule Nord an der Förderstraße in Vogelheim. Damit die
Jugendlichen eine Vorstellung von der bevorstehenden Arbeitswelt da draußen"
bekommen, unterstützen das Arbeitsamt Essen und das Bil- dungszentrum des Baugewerbes
(BZB) ein besonderes Bauprojekt auf dem Schulgelände.
Die Schüler bauen sich unter fachkundiger Anleitung eine eigene Außenwerkstatt für
den Kunstunterricht. Geplant ist eine 50 Quadratmeter große Gitterkonstruktion aus Holz.
Beim Bau durchlaufen alle Lehrlinge" mehrere Tätigkeitsfelder aus den
verschiedensten Handwerksberufen vom Elektriker über den Maler, Schreinen,
Trockenbauer, Dachdecker bis zum Installateur. Die Arbeit geht theoretisch im Klassenraum
weiter. Zum Beispiel wird im Deutschunterricht eine projektbegleitende Dokumentation in
Schrift und Bild erstellt. In Mathematik vermessen die Schüler den Bauplatz und führen
statische Berechnungen durch.
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Gesamtschule - Leiterin Sabine Bellers (l.) legt zu-
sammen mit ihren Schülern den grundstein für eine neue Kunsthalle auf dem Schulgelände.
Eine Ab-
bildung des Modells ist im Internet unter
www.schule-wirtschaft-arbeitsmarkt.de zu sehen. |
Der Einblick in das Arbeitsleben soll den Schülern bei der späteren Berufswahl die
Entscheidung leichter machen. Mehrere private Unternehmen unterstützen das Vorhaben mit
Bau-Materialien, Sponsoring und fachmännischer Betreuung. Die Idee kam uns beim
Kunstunterricht in der Jahrgangsstufe 13.1", berichtet Lehrerin Arnhild Koppel,
Daraufhin sprach ich einen befreundeten Architekten an, der wiederum andere
Fachleute kannte, und so kam der Stein ins Rollen." Für die Schule und das
Arbeitsamt genießt das Projekt einen Vorbild-Charakter für die Entwicklung des
Stadtteils. Schule und Beruf sollte ein durchlässiges System sein", erklärte
Hans Gerhard Dohle vom Arbeitsamt Essen, Wir können Schüler für die Berufswelt
begeistern, wenn wir sie eine eigene Firma gründen lassen."
A. Kaemmerer
| Richtfest am 18. September 2002 |
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| NRZ
Donnerstag, 19. September 2002
Aufschwung mit Maus und Mörtel
Jugendarbeit / Zwei Projekte sollen in Vogelheim neues
Selbstbewußtsein und mehr Chancen auf dem
Arbeitsmarkt geben.
Jörg Maibaum, Stephan Hermsen
Schulleiterin Sabine Bellers ist sicher: "Mit diesen
beiden Projekten können wir punkten." Zum einen feierte
die Gesamtschule Nord in Vogelheim gestern das Richtfest der selbstgebauten Werkstatt auf
dem Schul-
gelände, zum anderen soll möglicherweise noch in diesem Jahr nahe des Schulgeländes der
sogenannte
"Computainer Vogelheim" entstehen.
Wichtige Impulse für den Stadtteil, der ähnliche Probleme aufweist wie Katernberg oder
Altendorf, anders
als diese "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf" aber nicht so stark vom
Engagement in Politik,
Unternehmen und Bürgerschaft profitiert.
"Ein geradezu idealtypisches Projekt"
Wo wenig Geld fließt, müssen Ideen sprudeln. "Einen
geradezu idealtypischen Prozess" in der Zusammen-
arbeit von Bürgern, Stadtteilladen, Stadt und regionalen Unternehmen nennt
Sozialdezernentin Gudrun Hock
das, was der "bunten und lauten" Begegnungsstätte für Jung und Alt in
Containerbauweise als breites Fun-
dament dient: Als Teil der Essener Bildungsoffensive sei der "Computainer" zu
sehen, bei dem die Stadt
und die BOV Aktiengesellschaft an der Alfredstraße als Träger fungieren.
Die Stiftung "Fairnetzen" des Unternehmens verfolgt unter anderem das Ziel,
Kindern und Jugendlichen in
benachteiligten Stadtteilen den Zugang zu neuen Medien zu eröffnen. Das Angebot hat die
Sozialverwaltung
aufgegriffen, um die Bildungssituation des Nachwuchses in Vogelheim zu verbessern.
In dem zweistöckigen Computainer sollen auf 480 Quadratmetern die Aufgaben des
Stadtteilbüros des
Jugendamtes, der Computerschule sowie Angebote zur Berufsorientierung und Unterstützung
von Ausbil-
dungsverhältnissen mit den sozialen Wegweisern der Jugendhilfe an einem Ort
zusammengeführt werden.
Hilft tut Not im Stadtteil: Neun Prozent der Vogelheimer Bevölkerung lebt von der
Sozialhilfe, ein Computer
in der Familie gehört allerdings nicht in den "Warenkorb" des Sozialamtes. 18,4
Prozent der Hilfeempfänger
sind minderjährig. 29 Prozent der Familien mit Kindern müssen mit einem
durchschnittlichen monatlichen
Nettoeinkommen unter 1278 Euro auskommen. Ein Großteil der Kinder in Vogelheim, erkennt
die Stadt aus
diesen Zahlen, "ist von einer Bildungsbenachteiligung bedroht". Im Computainer
sollen schon Vierjährige
des Stadtteils, Schüler und Jugendliche systematisch durch ehrenamtliche Trainer an das
elektronische Me-
dium herangeführt werden, das ihnen zuhause fehlt, "sollen Kompetenz für die
Zukunft bekommen", indem
man ihr logisches Denken, das Konzentrationsvermögen und ihre Kreativität fördert.
"Unsere Schülerinnen und Schüler haben in den Familien kaum eine Chance, auf
Computer zurückgreifen
zu können", so Sabine Bellers, ein Internet-Café gebe es auch nicht und der
Computerraum der Schule sei
ausgebucht. Daher, so die Schulleiterin, sei ein derartiges Engagement wie beim
Computainer und bei der
Werkstatt wichtig für das Selbstbewußtsein der Jugendlichen.
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Schlagkräftig gegen das Bildungsgefälle vorgehen -
das machten beim Richtfest der selbstgebauten
Werkstatt (v.l.) Schülerin Anna Kuterna, Sabine
Bellers (Schulleiterin), Gunnar Phillips (Technik-
Lehrer), Ludgerus Gruhn (Zimmermeister vom Bil-
dungszentrum des Baugewerbes Wesel) und
Philip Schribwski vor. (NRZ-Foto: Christian Kruska) |
Das wächst derzeit mit dem Bau der Werkstatt, einer
Holzrahmenkonstruktion, die seit Oktober letzten
Jahres auf dem Schulhof entstand. Zum Richtfest zogen alle Beteiligten eine positive
Bilanz. Norbert De-
gener vom Bildungszentrum des Baugewerbes lobt das Engagement der Neuntklässler, die
unter Anlei-
tung der Ausbilder wie Lehrlinge im ersten Lehrjahr ihre Erfahrungen im Baubereich machen.
Trotz (oder
wegen) des schweißtreibenden Umgangs mit Spitzhacke, Kelle und Säge ist das Engagement
groß - und
die Chance auf einen Einstieg als Lehrling in einen Handwerksberuf für die etwa 30
Baumeister der Schule
steigt - erste Lehrstellen sollen vermittelt sein. "Projekte, bei denen man gemeinsam
mit anderen etwas ge-
schafft hat, vergisst man nicht mehr", ist Arbeitsamtsdirektor Hans Gerhard Dohle von
der aufbauenden
Wirkung des Werkstattbaus überzeugt.
Handwerkskammer aktuell - 23. Januar 2003
Schulprojekt: Bau
einer Außenwerkstatt
Unterstützung durch Bildungszentren
des Baugewerbes
Essen (DHB).
Fast wie im richtigen Leben: Ein Bau-Unternehmen wird gegründet, realisiert ein
Bauvorhaben und feiert
Richtfest. Diese Ereignisse gehörten auch zu einem fächerübergreifenden Schulprojekt
der Gesamtschule
Essen Nord. Mit Unterstützung der Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) in Essen und
Wesel erstellten
die Schüler eine Außenwerkstatt, in der in Zukunft handwerkliche Tätigkeiten vermittelt
werden. Im Deutsch-
unterricht wurde eine projektbegleitende Dokumentation erstellt, Bauplatzvermessung waren
Thema im
Fach Mathematik.
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Richtfest für die Außenwerkstatt der Gesamtschule
Essen Nord:"Mit Schlagkraft" plädierten Schüler,
Lehrer sowie Vertreter des BZB Wesel für eine Aus-
weitung des praktischen Unterrichts zur Verbesse-
rung der Berufswahlorientierung an weiterführernden
Schulen.
Foto:
BZB |
Die Schülerinnen und Schüler waren während des gesamten
Projektzeitraums in den
Arbeits- und Produktionsprozess eingebunden, lernten die Tätigkeitsfelder aller für die
Erstellung der Außen-
werkstatt erforderlichen Branchen kennen und sammelten so praktische Erfahrungen für die
Entscheidung
über ihre berufliche Zukunft. Zum Richtfest zogen alle Beteiligten (Lehrerinnen und
Lehrer der Schule, Ver-
treter der BZB sowie die Essener Arbeitsverwaltung) eine positive Bilanz. Norbert Degener,
Leiter des BZB
Wesel, lobte das Engagement der Neuntklässler, der Essener Arbeitsamtsdirektor Hans
Gerhard Dohle
resümierte: "Projekte, bei denen man gemeinsam etwas geschafft hat, vergisst man so
schnell nicht mehr."
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