WAZ - Nummer 140 , Donnerstag, 19.
Juni 2003 (Stadtteilzeitung Steele)Die "Donnerbüchse"
hält an der katholischen Hauptschule
Schüler lernen an dem Waggon verschiedene Berufe
kennen
Von Bianca Raitz
 |
Frischer Anstrich für das
Fahrgestell: Die neue
Farbe sieht nicht nur besser aus, sie hält auch den
Rost fern. Malerazubi Dennis Conrads kennt sich
damit aus.
Foto:
Walter Buchholz
|
Steele. Noch vor den Sommerferien macht die
"Donnerbüchse" auf dem Schulhof der katholischen Haupt-
schule Halt. In Kooperation mit Arbeitsamt, Bildungszentrum des Baugewerbes (BZB), Kolping
Berufsbildungs-
werk und Kreishandwerkerschaft bauen Schüler den alten Eisenbahnwaggon zu einem Café um.
Die "Donnerbüchse" erhielt ihren Namen wegen des Lärms, der während der Fahrt
entstand. Fahren wird der
Waggon aus dem Jahr 1922 auf dem Gelände der städtischen, katholischen Hauptschule
(Marienschule) an
der Steeler Bergstraße 8 nicht mehr, seinen Namen behält er als Schülercafé jedoch
bei.
Seit November 2002 arbeiten Achtklässler der Hauptschule zusammen mit Auszubildenden an
dem Projekt.
Mit großer Motivation werken sie an dem ausgebrannten Waggon: entfernen Rost und den
Sitzbereich bis
auf das Fahrgestell, setzen dann einen neuen darauf. "Es ist toll, dass die Schüler
und Azubis so eine Kraft-
anstrengung aufbringen", lobt Anette Schulze, Leiterin des BZB.
 |
Richtig bohrt Azubi
Daniel Jasper. Barbara Kromer,
Georg Steffen, BZB und Heinrich Albers, Kolpingwerk
(v.l.) sehen zu. |
Ziel des Projektes ist es, den Jugendlichen eine Hilfe bei
der Berufswahl zu bieten. "Oft gehen sie unvorbe-
reitet in die Ausbildung und haben ein ganz falsches Berufsbild. Dieses Projekt entspricht
eher der Realität",
erklärt Schulze. An der "Donnerbüchse" lernen die Schulabgänger eine ganze
Reihe von Berufen kennen: die
Arbeit des Zimmerers, Dachdeckers, Malers, Metallbauers, Elektrikers, Holzverarbeiters und
Sanitärfach-
handwerkers. "Neben der fachlichen Anleitung, lernen die Jugendlichen auch viel von
einander", betont Schulze.
Barbara Kromer, Leiterin der Marienschule, freut sich über die Spenden von Firmen und aus
Handwerker-
kreisen, aber vor allem über die 5000 Euro des scheidenden Arbeitsamtsdirektors Hans
Gerhard Dohle. Er
war begeistert von den Projekten der Steeler Hauptschule und leitete daher das Geld aus
dem Heinrich-
Brauns-Preis für Verdienste um die katholische Soziallehre sofort weiter.
Mit der Summe konnte die Schule den Eisenbahnwaggon kaufen und die über 100 Jugendlichen
an die Ar-
beit schicken. "Die ist nicht immer einfach. Aber die Schüler gehen pflegeleichter
mit ihrem selbsterarbeiteten
Café um, als wenn wir ihnen etwas Fertiges hinstellen", ergänzt Kromer.
Mehr dazu auf Seite 2
WAZ - Nummer 140 , Donnerstag, 19. Juni 2003 Seite 2
"Donnerbüchse" fährt ihre
letzte Tour
Marienschüler bauen Eisenbahnwaggon zum Café um und
üben Selbständigkeit
Steele. Am 3. und 4. Juli beteiligen sich
die Marienschüler an der fünften Ausstellung der Projekte "Schule -
Wirtschaft - Arbeitsmarkt" im Arbeitsamt. Die "Donnerbüchse" gehört
natürlich dazu. Dort geben die Jugend-
lichen Kostproben ihres erlernten Könnens: Sie arbeiten an Sitzbänken und an einer
Theke. Noch vor den
Sommerferien soll die "Donnerbüchse" ihre letzte Tour machen. Mit Hilfe von
Feuerwehr, Kränen und einem
spezialisierten Transporteur wird sie in den End-Bahnhof an der Steeler Bergstraße 8
einfahren. Dann fehlt
nur noch eine möglichst originalgetreue Bemalung durch die Hauptschüler und das Café
kann eröffnet werden.
Dasd Projekt ist damit nicht beendet, verrät Schulleiterin Barbara Kromer. "Eine
Schülerfirma wird das Café
leiten." Vom Einkauf, über die Buchführung bis zur Werbung liegt alles
eigenverantwortlich in den Händen der
Jugendlichen.
|