14 Essener Schulen - Alfried Krupp v. Bohlen und Halbach Stiftung - AHI - Zeche Carl: 
Projekt: "Renovierung des Malakowturmes auf der Zeche Carl"






















Einladung zum Baustellenfest 
rund um den Malakowturm der Zeche
Carl am 24. Mai 2002 15.00 bis 19.00 Uhr


Der Malakowturm der Zeche Carl wird umgebaut 
und  restauriert. Seit Februar 2002 sind die
Arbeitsvorbereitungen im Gange. Es wird 
aufgeräumt und abgesichert. Nach den Sommerferien 2002 geht der eigentliche Umbau los. Drei Jahre werden die Umbauarbeiten dauern. Diese Baustelle wird eine ganz besondere Baustelle sein:
 Eine Lernbaustelle für Schülerinnen und Schüle
 von bisher 11 Schulen aller Schulformen aus Essen. Schülerinnen und Schüler, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden wollen, können während der Bauzeit mitarbeiten und so 
ganz praktisch Berufe und Handwerksunternehmen kennen lernen. 

Umgekehrt gilt dasselbe: Handwerksunternehmen können vielleicht ihren künftigen Auszubildenden kennen lernen. 
In einer Schülerwerkstatt werden die Schülerinnen 
und Schüler auf die Arbeit auf der Baustelle vorbereitet.

Wer sich nicht vorstellen kann, später einmal einen
der  vielen Berufe rund um das Bauen und Restaurieren zu ergreifen, der kann auch praktische Erfahrungen sammeln: Iim Büro des Architekten, in der Gastronomie der Zeche Carl, in der Buchhaltung, im Veranstaltungsbereich (Ton- und Lichttechnik) in der Öffentlichkeitsarbeit oder bei der Arbeit mit Kindern.

Mit den beteiligten Schulen bereiten wir das Fest vor und laden auch andere Schulen ein:

alle Mitschüler und Mitschülerinnen alle Eltern, die wissen wollen, wo ihre Kinder Berufserfahrungen sammeln wollen. 
die Lehrer und Lehrerinnen anderer Schulen. 
Politiker, die sich für die berufliche Zukunft von Schülern interessieren. 
alle, die an dem Projekt „Schule – Wirtschaft – Arbeitsmarkt" beteiligt sind. 
alle interessierten Mitbürger und Mitbürgerinnen. 

Das Projekt „Schule – Wirtschaft – Arbeitsmarkt" gibt es seit 
3 Jahren. Das Arbeitsamt und das Schulamt der Stadt Essen haben das Projekt mit vielen Partner aus der Wirtschaft mit großem Erfolg gestartet. Die Lernbaustelle Malakowturm der Zeche Carl gehört nun auch dazu. Das wollen wir feiern und laden Sie dazu ein.

            Thomas Mikoteit                  Willi Overbeck
              Arbeitsamt Essen                  Zeche Carl


Presseveröffentlichungen:

WAZ - Mittwoch, 22. Mai 2002


Praxiswerkstatt hilft Schülern bei Berufswahl
Projekt: Renovierung des Malakowturms an der Zeche Carl

Schon in seiner Restaurationsphase wird der Malakowturm 
auf dem Gelände der Zeche Carl für etwa 200 Schüler von
12 Schulen zu einem Ort des Lernens und der Begegnung.
Drei Jahre dauert das Praxis-Projekt. Umbaukosten: 2,75 Mio. €.


Ran an die Schüppe, heißt es ab September für die ersten Teilnehmer,
vornehmlich Jugendliche aus Schulen des Essener Nordens. Mauern 
ziehen, Rohre verlegen, Leitungen installieren - alles, was bei einem
Umbau so anfällt, werden die Praktikanten unter der Patenschaft der
ausführenden Fachfirmen aktiv üben. Know-how-Vermittlung gegen
Arbeitskraft: Das ist fair für beide und kostet keine regulären Jobs.
"Ziel der praktischen Erprobung ist es, den Schülern im Vorfeld ihrer
Berufswahl Entscheidungshilfen zu geben", erklärt Willi Overbeck, 
Vorsitzender der Zeche Carl. 

Dadurch solle der hohe Anteil von 25 Prozent Ausbildungsabbrechern
reduziert werden. Eingebettet ist die Berufserkundung in das Projekt
"Schule - Wirtschaft - Arbeitsmarkt" des Arbeitsamtes. "Wer auf dem
Bau mitangepackt hat und ein Zertifikat vorweist, hat bei Firmen gute Chancen",
so Berufsberater Thomas Mikoteit.

Der Turm soll schöner werden: Ulrike Pankop, Willi Overbeck, Thomas Mikoteit und Helge von Dornick (v.l.). WAZ-Bild: Umbach


In einer von der Krupp-Stiftung mit 300.000 € geförderten und von der Altenessener Handwerker Initiative betreuten Schülerwerkstatt erfolgt die einwöchige Vorbereitung. Dort lernen die Praktikanten Werkzeug, Material und Sicherheitsbestimmungen kennen. "Zuvor müssen die Schüler sich bewerben und Gründe für ihr Interesse darlegen", so Ulrike Pankop Lehrerin an der Parkschule.

Später nutzen der Offene Kanal, die Künstler des Maschinenhauses und der Verein Carl-Stipendium den 1856 errichteten Turm. Unterhaltskosten: 25.000 € im Jahr. "Das gesamte Projekt wird dokumentiert und zertifiziert", sagt Helge von Dornick, Geschäftsführer der Zeche. Es sei wichtig, dass die Schüler merkten, dass die Gesellschaft auf sie schaut, sie nicht abgeschrieben hat. Darum ist zum von Schülern geplanten Baustellenfest am Freitag, 24. Mai, von 15 bis 19 Uhr der ganze Stadtteil eingeladen.    hac



NRZ - Mittwoch, 22. Mai 2002

Ein Turm wird zur Lehrbaustelle

Zeche Carl / Im Rahmen eines Projektes sollen Schüler bei der Renovierung des Malakowturmes helfen

Die ziemlich seltene Gelegenheit, sich die praktischen Seiten eines Handwerksberufes einmal genauer anzusehen und gleichzeitig an einem Stück Stadtgeschichte mitzubauen, wird Schülern nach den Sommerferien in Altenessen geboten. 

Im Zuge der Renovierungsarbeiten am Malakowturm der Zeche Carl (die NRZ berichtete) wird im Rahmen des Projektes "Schule - Wirtschaft - Arbeitsmarkt" erstmals eine Schülerwerkstatt zur Berufsfelderkundung eingerichtet. "Wir möchten im Rahmen des Projektes Schülern in ihrer Berufsfindungsphase helfen, die richtige Entscheidung zu treffen", so Willi Overbeck, Vorsitzender des Trägervereins Zeche Carl.

Noch ist von den Renovierungsarbeiten am Malakowturm nicht viel zu sehen. Nächstes Schuljahr wird sich das ändern. (NRZ-Foto: Müller)


In Kooperation mit momentan zwölf Essener Schulen sollen Schüler während der dreijährigen Bauphase die Möglichkeit bekommen, in verschiedenen Gewerken des Baubereichs praktische Erfahrungen zu sammeln.

"Kein Schüler wird für das Praktikum Unterrichtsstunden versäumen", unterstreicht Ulrike Pankop, Lehrerin an der Parkschule. Den Charakter einer Übungswerkstatt wird das Projekt jedoch nicht haben. Schließlich stehen die beauftragten Firmen in Pflicht, die Arbeiten korrekt auszuführen - aber eben auch, Schüler zu qualifizieren. Dass diese nicht planlos an der Schippe stehen werden, dafür soll die Altenessener Handwerker-Initiative sorgen, wo die jungen Helfer einen einwöchigen Crash-Kurs absolvieren, begleitet von einem Handwerker und einem Pädagogen. 

Die Kosten von 304 000 € für drei Jahre trägt die Krupp-Stiftung. 200 Schüler sollen die Baustelle in drei Jahren durchlaufen. Und wem die Arbeit auf dem Bau partout nicht liegt, der kann auch praktische Erfahrungen in etlichen Tätigkeitsfeldern der Zeche Carl, beispielsweise in der Buchhaltung oder der Öffentlichkeitsarbeit sammeln.

Wer sich über das Projekt informieren möchte, sollte am Freitag, 24. Mai, 15 bis 19 Uhr, zum Baustellenfest am Malakowturm kommen. (job)




Nord-Anzeiger - Mittwoch, 22. Mai 2002

Nicht nur in der Schule für das Leben lernen

"Baustellenfest Malakowturm" auf der Zeche Carl stellt am Freitag ein innovatives Schulprojekt vor.

Weg mit den verstaubten Schulbüchern! Raus aus dem Mief der Klassenzimmer! Essener Schulen gehen neue Wege: Nicht nur Theorie, sondern auch Praxis fördern und Schülern Starthilfe für den Ernst des Lebens geben - das versucht die "Schülerwerkstatt Berufsfelderkundung Malakowturm", die sich am Freitag mit einem Baustellenfest der Öffentlichkeit vorstellen wird.

Von der Kohle zur Kultur - diesen Schritt hat die Zeche Carl in den letzten Jahrzehnten eindrucksvoll vollzogen. Wo einst die Bergleute unter Tage gingen, geben sich heute Musiker, Maler und Schauspieler die Klinke in die Hand. Das Altenessener Kulturzentrum möchte aber mehr als ein Ort der Künste sein: Schüler sollen ab dem 1. September die Möglichkeit bekommen, im Rahmen der Werkstatt erste Berufserfahrungen zu sammeln. Willi Overbeck, Vorsitzender des Soziokulturellen Zentrums Zeche Carl, kennt die brisanten Zahlen:"Jeder Vierte bricht seine Lehre ab. Mit unserer Werkstatt soll schon zu Schulzeiten ein Blick in die Arbeitswelt geworfen werden."

Wie der Ernst des Berufslebens aussehen kann, werden 200 bis 250 Jungen und Mädchen in den nächsten drei Jahren hautnah am Malakowturm kennen lernen. Zwölf Schulen beteiligen sich, vom Gymnasium bis zur Sonderschule. Die Schüler können ihr theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen und gleichzeitig das breite Berufsspektrum der Bauberufe entdecken. Technische Zeichner, Maurer oder Poliere - vielleicht finden junge Menschen hier den Beruf fürs Leben. Das Interesse ist groß, sogar eine Schule aus Velbert hat bereits angefragt.
Sie geben jungen Menschen eine Starthilfe ins Berufsleben (auf dem Foto von links:) Thomas Mikoteit (Berufsberatung Arbeitsamt Essen), Willi Overbeck (Zeche Carl), Rainer Heine (Geschäftsführer Altenessener Handwerker Initiative), Dirk Katthagen (Jugendberufshilfe), Ulrike Pankop (Parkschule) und Hans Gerhard Dohle (Leiter des Essener Arbeitsamtes) vor dem Malakowturm der Zeche Carl. Foto: Gohl



Veranstaltet wird die Werkstatt im Rahmen des Projektes "Schule-Wirtschaft-Arbeitsmarkt", das Heranwachsende gezielt auf die Berufswelt vorbereitet und so Jugendarbeitslosigkeit eindämmt. Initiiert wurde die Aktion im Mai 1999 vom Arbeitsamt, dem städtischen Schulamt und dem Schulverwaltungsamt. Die Schülerwerkstatt am Malakowturm wird vor Ort von der Altenessener Handwerker Initiative betreut, die in der ehemaligen Holzwerkstatt der Zeche Carl beheimatet ist und rund 100 Mitarbeiter mittlerweile auch über die Stadtteilgrenzen hinaus beschäftigt. AHI-Geschäftsführer Rainer Heine ist mit der Koordination der Schülerwerkstatt beauftragt: "Einen großen Block wird es direkt beim Start geben. In dieser Phase erhalten die Schüler einen Überblick und werden in die Abläufe integriert. 20 Personen können gleichzeitig beschäftigt werden."

Bereits seit 1977 vollzieht die Zeche Carl den Wandel zu einem Kulturzentrum, das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. 1996 wurde das Maschinenhaus ausgebaut. Die letzte Phase der Erneuerung ist die Nutzung des Malakowturms. Die Renovierung wird fast 3 Millionen Euro kosten. Geld, das zu 80 Prozent aus Fördergeldern des Landes und zu 20 Prozent aus Mitteln der Stadt finanziert wird.


An den Bautätigkeiten wird sich die Schülerwerkstatt unter Anleitung eines Handwerkers und eines Pädagogen beteiligen. Möglich ist ein mehrwöchiges Praktikum oder regelmäßiger Unterricht. Nach dem Ende der Umbauphase soll der Malakowturm insbesondere vom OK43 genutzt werden, aber auch Schulen und Projekte des Maschinenhauses werden hier ihre Heimat finden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Theater und Tanz.

Das die Schülerwerkstatt ins Leben gerufen werden konnte, ist nicht zuletzt ein Verdienst der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die aus ihrer Schatulle einen Betrag von 304.000 Euro hervorzog und dem Projekt damit eine Dauer von mindestens drei Jahren ermöglicht. In der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat Essen mittlerweile landesweit die Nase vorn. Vor vier Jahren waren 5.000 der unter 25-Jährigen ohne Arbeit. Heute liegt die Zahl bei 2.500. Vom Nutzen der Werkstatt sind die Beteiligten überzeugt. Thomas Mikoteit, Berufsberater vom Arbeitsamt, ist vom Erfolg überzeugt: "Es gibt in diesem Spiel keine Verlierer."

Wer sich vom Sinn der Schülerwerkstatt überzeugen möchte, sollte am Freitag ab 15 Uhr das Baustellenfest auf der zeche Carl, Wilhelm-Nieswandt-Allee 100, besuchen. Die beteiligten Schulen und Initiativen werden sich an diesem Nachmittag der Öffentlichkeit vorstellen. Zusätzlich wurde ein Programm auf die Beine gestellt, das neben den Darbietungen mehrerer Schülerbands und Tanzprojekte unter anderem auch eine Besichtigung des Malakowturms beinhaltet.   ek 




WAZ - Samstag, 25. Mai 2002

Zeche Carl wird Lernbaustelle

250 Schüler helfen bei der Sanierung des Malakowturms

Sie soll das Flagschiff des Projektes "Schule - Wirtschaft - Arbeitsmarkt" werden, die Lernbaustelle Malakowturm der Zeche Carl. Investition: 2,75 Millionen Euro. Bauzeit: drei Jahre. Mitarbeiter: rund 250 Schüler.

Bevor ein Schiff vom Stapel läuft, wird es getauft. Eine Art Taufe war das Baustellenfest von und mit den zwölf beteiligten Schulen, das jetzt die Sanierung der letzten drei Ensembleteile des Denkmals - Malakowturm, Kesselhaus und Grubenschreinerei - einläutete. 

Früh übt sich: Patrick (11) von der Gesamtschule Nord lässt sich auf dem Baustellenfest von Jörg Dobrasch das Maurerhandwerk zeigen. WAZ-Bild: Alexandra Umbach


80 Prozent der Mittel kommen vom Land, 20 Prozent von der Stadt. Damit die Schüler nicht ganz "grün" die ersten Schritte in Richtung Ausbildungsberuf gehen müssen, finanziert die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung eine Lernwerkstatt mit 304 000 Euro. Zeche Carl-Hausherr Willi Overbeck war von der Idee, den Schülern über die ernsthafte Mitarbeit in den beteiligten Handwerksbetrieben einen Beruf nahe zu bringen, sofort begeistert:"Darin steckt kooperativer Geist für eine Stadt der Zukunft."

Angebote der Zeche Carl, auch ins Veranstaltungsmanagement, Licht- und Tontechnik oder Gastronomie hinein zu schnuppern, erweitern noch das Spektrum. Die Dimension und der hohe Anspruch der Lernbaustelle Malakowturm, so Arbeitsamtsdirektor Hans Gerhard Dohle, seien bislang einzigartig in Deutschland. Timon Bräunig (15) von der Gesamtschule Nord ist einer von 250 Schülern, die hier ab 1. September im Rahmen des Unterrichts ihren Weg in den Beruf suchen. "Da muss ich richtig ackern", sagt er. "Das wird schwer, aber ich freue mich schon drauf." hin



Personal Direkt - Das Magazin für Personalservice im Raum Essen, Mai 02, Seite 2/3

Chance für die Jugend:
Ein Turm wird saniert

Wichtige Orientierungshilfe für Berufseinsteiger

Die Prämisse lautet: Praxis pur. Bei der Sanierung des ältesten Malakowturms im Ruhrgebiet wirken rund 200 Schüler mit. Dabei erleben sie neben der gewachsenen Historie des Bergbaus auch, wie Handwerk eigentlich funktioniert. Die Aktion von Zeche Carl und Arbeitsamt Essen zielt darauf ab, die Abbrecherquote bei Berufseinsteigern deutlich zu senken.

 Malakowturm der Zeche Carl (im Bild links die Innenansicht) 


Er ist der älteste Malakowturm des Ruhrgebiets. Gebaut von 1856 bis 1861, entstand auf dem Gelände der Zeche Carl in Altenessen ein Förderturm, umbaut von 1,20 Meter dicken Backsteinwänden. Zunächst bestand das Fördergerüst noch aus Holz, erst später wurde es durch Stahl ersetzt, bevor sich im Bergbau die freistehenden Fördertürme, die heute unsere Region prägen, durchsetzten. Das Mauerwerk war Mitte des 19. Jahrhunderts noch nötig, um die Stabilität des Fördergerüstes zu stärken – immerhin löste der Förderkorb starke Vibrationen aus, sobald er in die Tiefe gelassen wurde. Die dicken Mauern sollten das abfangen. Horizontale Risse in den Wänden zeugen heute noch davon, dass diese Technik nicht der Weisheit letzter Schluss war.

Jetzt soll der Koloss, der bislang auf dem Gelände der Zeche Carl weitgehend ungenutzt blieb, aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. Bemerkenswert an der Aktion: Nur diejenigen Unternehmen erhalten den Zuschlag für die Sanierung, die sich im Vertrag verpflichten, Schüler und jugendliche Langzeitarbeitslose in die Arbeit zu integrieren. „Bei der Sanierung des Malakowturms binden wir zum ersten mal auch Schüler ein", sagt Willi Overbeck. Der evangelische Pfarrer ist seit über 20 Jahren Vorsitzender des soziokulturellen Zentrums Zeche Carl und weiß, wie wichtig Praxisnähe ist: „So lernen die Schüler den jeweiligen Beruf direkt unter Zeitdruck kennen." Erst wenn sie den ungeschönten Arbeitsalltag kennen, sollen die Schüler sich für oder gegen die Branche entscheiden.


Pfarrer Overbeck mit der Dampfmaschine, die einst den Förderkorb antrieb.



Das Arbeitsamt, das das Projekt im Rahmen der Initiative „Schule, Wirtschaft, Arbeitsmarkt" unterstützt, erhofft sich davon eine geringere Abbrecherquote. „25 Prozent der Berufsanfänger brechen ihre Ausbildung ab", sagt Thomas Mikoteit, der Projektleiter vom Arbeitsamt. Den Charme, an der Renovierung des Malakowturms mitzuwirken, sieht Mikoteit für die Schüler nicht zuletzt darin, dass sie etwas Bleibendes für ihren Stadtteil schaffen. Außerdem soll den Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden. „Idealerweise gehen die Schüler nach dem Projekt bei einem der Unternehmen ins Praktikum oder sogar in die Ausbildung", blickt Mikoteit in die Zukunft.

Nicht nur die Schüler sollen von dem Projekt profitieren, betonen die Initiatoren. „Immerhin erhalten die Unternehmen kostenlose Hilfskräfte, die sie nach ihren Vorstellungen anlernen können", sagt Willi Overbeck. Ist der Malakowturm saniert, dient er zum einen der Zeche Carl, die darin Ateliers, Studios und Musikproberäume einrichtet und zum anderen dem Essener Bürgerfernsehen „OK 43", das endlich professionelle Studios und bessere Schnittplätze erhält. Doch der Bezug zur Geschichte des Bergbaus soll auch im sanierten Malakowturm durchscheinen: Die Dampfmaschine von 1861, mit der die Kohle zu Tage gefördert wurde, wird wieder gangbar gemacht und ihre Nachfolgerin, die Elektromaschine von 1920, wird unter dem Glasboden des OK-Studios sichtbar bleiben.

So entstehen mit Hilfe von kooperationsbereiten Unternehmen und engagierten Jugendlichen rund 940 Quadratmeter neuer Nutzfläche, die die Zeche Carl einzigartig im Veranstaltungs- und Kulturbereich des Ruhrgebiets machen. 

Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Pfarrer Overbeck auf Seite 4            Katja Büchsenschütz 




Personal Direkt: Mai 2002, Seite 4
Das Arbeitsmarktgespräch

Schüler/Lehrer - so lässt sich
das Klima verbessern


Pfarrer Willi Overbeck über ein beispielhaftes Projekt

Er ist Essener Urgestein, wenn auch nur zugezogen. Der evangelische Pfarrer und Vorsitzende der Zeche Carl, Willi Overbeck, ist aus der Jugend- und Kulturarbeit nicht mehr wegzudenken. Personal-Direkt-Mitarbeiterin Katja Büchsenschütz sprach mit ihm über Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildungsabbrüche und die wilden 68-er.

Personal Direkt: Haben Sie bereits Erfahrungen damit gemacht, Jugendliche in die Sanierung der Zeche Carl einzubeziehen?

Willi Overbeck: 1991 haben wir eine Beschäftigungsinitiative für jugendliche Langzeitarbeitslose gegründet. Mit Hilfe von Stadtentwicklungsmitteln können wir so Beschäftigung und Qualifizierung organisieren. Die Altenessener Handwerker Initiative (AHI) hilft uns, ein Zeichen gegen die Perspektivlosigkeit zu setzen, die Jugendliche während ihrer Berufsfindungsphase erleben. Rund 250 Teilnehmer konnten wir darüber in den letzten zehn Jahren in feste Arbeit vermitteln.

Personal Direkt: Was sind die Vorteile für die teilnehmenden jungen Arbeitslosen und Schüler auf der einen Seite und den Unternehmen auf der anderen Seite?

Overbeck: Für die Jugendlichen ist es wichtig, an konkreten Projekten zu lernen. Sie können so durch ihre praktische Erfahrung die Hürde überwinden, die sich ihnen sonst bei einem unvorbereiteten Berufseinstieg bieten würde. Für die Unternehmen ergeben sich vielfältige Vorteile: Sie können die jungen Leute so anlernen, wie sie es brauchen. Falls es dann zum Ausbildungsvertrag kommt, kennen sie ihren Lehrling schon. Außerdem können sie ihr Handwerk vorstellen – traditionelle Berufe haben es heute nicht leicht, Nachwuchs zu finden. Und ganz profan: Die Firmen gehen keine finanzielle Verpflichtung ein und bekommen kostenlose Hilfskräfte.

Personal Direkt: Was sind ihre Ziele? Soll noch mehr übrig bleiben als nur der sanierte Malakowturm?

Overbeck: Heute ist es wichtiger denn je, eine fundierte Berufswahlentscheidung zu treffen. Nicht ohne Grund bricht jeder Vierte seine Lehre ab. Die Jugendlichen sollen konkrete Vorstellungen von den Berufen bekommen, um bei Ausbildungsbeginn zu wissen, worauf sie sich einlassen. Tragen sie einmal den Makel des Abbrechers, werden sie ihn schwer wieder los.

Personal Direkt: Was sollen die Jugendlichen außer der praktischen Erfahrung sonst noch aus dem Projekt mitnehmen?

Overbeck: Ich hoffe, dass sie das Gefühl bekommen, wie wichtig Zuverlässigkeit ist. Wir wollen nicht nur den Malakowturm sanieren – die Schüler sind die eigentlichen Nutznießer des Projekts. Ihre Erfahrungen kommen ihnen ein Leben lang zugute. Sie arbeiten für ihre eigenen Möglichkeiten, die ihnen sonst vielleicht verschlossen geblieben wären. Dass es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, an dem sie mitarbeiten, ist zudem wichtig. So können sie ihre Energie in etwas setzen, das Bestand hat und auf das sie stolz seien können.

Personal Direkt: Wenn Sie über das Projekt am Malakowturm hinaus blicken – was wünschen Sie sich dann für Zukunft der Jugend?

Overbeck: Eine Öffnung der Schule zur Gesellschaft hin ist von großer Bedeutung. So ließe sich das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern verbessern. Oberstes Ziel wäre es, dass Schüler und Lehrer eine Gemeinschaft bilden. Deshalb sind die Lehrer bei unserem Projekt auch aufgefordert, mitzuarbeiten. Sie werden dabei genau wie die Jugendlichen Lernende sein. Wichtig ist auch die Beziehung der Eltern zu ihren Kindern. Eltern sollten ihre Kinder nicht alleine lassen bei einer so wichtigen Entscheidung wie der Berufswahl.

Personal Direkt: Sie sind bekennender 68-er. Können wir heute etwas von der damaligen Bewegung lernen?

Overbeck: Ja - ich bin ein 68-er und ein Niederrheiner. Hans Dieter Hüsch sagt über den Niederrheiner: Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären. Damals mussten wir uns die Welt neu erklären, weil nebensächliche Werte wie Sauberkeit und Ordnung hochgehalten wurden, während über die Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 überhaupt nicht gesprochen wurde. Ein Verdienst der 68-er ist zumindest eine offenere Gesellschaft, in der Veränderungen durch Initiativen und Engagement von Bürgern möglich wurde. Davon wünscht man sich heute wieder mehr."


Nordanzeiger - Mittwoch, 15. Januar 2003

Turmbauer sammeln erste Erfahrungen auf der Zeche 
Schülerwerkstatt Malakowturm bereitet auf späteren Beruf vor 

"Nicht nur in der Schule für das Leben lernen", lautete die Schlagzeile eines Artikels, der im letzten Frühjahr im Nordanzeiger veröffentlicht wurde. Vorgestellt wurde die Schülerwerkstatt Berufs- felderkundung Malakowturm. Seit August gibt das Projekt Schülern die Möglichkeit, außerhalb der Klassenzimmer auf dem Gelände der Zeche Carl erste beruflche Erfahrungen in der Baubranche zu machen. 

Am Malakowturm kann das breite Spektrum der Baubranche entdeckt werden: Technischer Zeichner, Maurer oder Polier und weitere Berufsfelder werden auf dem Areal des ehemaligen Bergwerks zur Sanierung des alten Gebäude benötigt. 

Dieter Rissmann betreut die Schülerwerkstatt vom ersten Tag an: "Am 1. August begann die Vorbereitung. Die Ablaufzeiten mussten mit den Schulen abgeklärt werden, Werkzeuge und Arbeitskleider wurden gekauft, Werkbänke aufgestellt." Der Pädagoge, 1990 Mitbegründer der Altenessener Handwerker Initiative, begleitet seit Jahren Lernprojekte, mit denen der Verein junge Menschen für das Berufsleben fit machne möchte. Die AHI hat ebenso wie die Zeche Carl ihren Sitz an der Wilhelm-Nieswandt-Allee, da lag eine enge Kooperation nahe. In der Schülerwerkstatt, die für die Dauer von drei Jahren mit 304.000 Euro von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung finanziert wird, geben sich nun schon seit über vier Monaten Teenager die Schaufel in die Hand. "Im September begannen 15 Jungen der Gesamtschule Nord ihr Jahrespraktikum. Jeden Donnerstag arbeiten sie von 7.30 bis 16 Uhr am Malakowturm", erklärt Dieter Rissmann. "Zusätzlich machen Gruppen von bis zu zehn Schülern hier ein dreiwöchiges Praktikum". 

Es sind überwiegend Schulen aus dem Essener Norden, die an dem Projekt teilnehmen. Mit dabei waren unter anderem die Hauptschule Karnap und die Gustav-Heinemann-Gesamtschule. Auch das Altenessener Leibniz-Gymnasium wird noch mitmischen. Nach dem Ende der dreijährigen Bautätigkeiten soll der Malakowturm vom Bürgerfernsehen und für Projekte des Maschinenhauses genutzt werden. Bis es soweit ist, haben 250 junge Menschen wichtige Berufserfahrungen gesammelt, die ihnen möglicherweise die Wahl der für sie richtigen Ausbildung erleichtert und genau darum geht es letztendlich: Das Projekt soll seinen Beitrag dazu leisten, dass die Zahl der abgebrochenen Lehren in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit reduziert wird. 

Bis Anfang Dezember zählte die AHI 67 Teilnehmer auf der Baustelle. Die bisher gemachten Erfahrungen sind überwiegend positiv. Viele Schüler konnten bis zum Ende ihres Praktikums ihren Berufswunsch konkretisieren. Ein Vorurteil hat sich in den letzten Monaten jedoch bestätigt: Mädchen scheinen sich für die Baubranche fast gar nicht zu interessieren. ek


Weitere Presseveröffentlichungen:

Handfest - Jugendmagazin des Handwerks
(Onlineausgabe 01/06, es öffnet sich eine neue Datei im *.pdf-Format)

Stadtspiegel Essen, Ausgabe Nordanzeiger

                                                                                                                                         » zurück