Hauptschule Karnap - Aral
Stiftung - Kreishandwerkerschaft - ABZ:
Projekt: "Lernwerkstätten: Metall - Holz - Bau"
Projektbeschreibung:
Kurzbeschreibung der Schule: Die Hauptschule Karnap liegt im nördlichsten Stadtteil von Essen, abgetrennt vom Essener Stadtgebiet durch Emscher und Rhein-Herne-Kanal. Vom Bergbau, der Karnap einst prägte, sind nur die liebevoll gepflegten, begrünten Arbeitersiedlungen übrig geblieben. Heute bestimmen das Müllheizkraftwerk des RWE und die Oberland-Glaswerke, die beiden größten Arbeitgeber in Karnap, das Ortsbild. Die Hauptschule liegt im Zentrum des „Dorfes", direkt am Marktplatz. Sie wird von ca 330 Schülern aus Karnap, Altenessen und dem benachbarten Gelsenkirchen besucht, wovon ca 1/3 ausländische Kinder sind. Die Situation der Schule ist gekennzeichnet durch · eine heterogene Schülerschaft, auch durch Schüler mit geringer Leistungs-und Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Merkfähigkeit, fehlendem Sozialverhalten, Verhaltensstörungen; · Schüler, die bereits in der Grundschule dauernde Misserfolge erlebt haben; viele Schüler und Eltern, für die die Hauptschule nicht die Wunschschule ist, sondern nach Ablehnung durch die Gesamtschule als einzige Alternative übrig blieb; · Schüler der Sonderschule für Lernbehinderte, die in die Hauptschule reintegriert werden; · Schüler aus zum Teil äußerst schwierigen familiären Verhältnissen ; (alleinerziehende Mütter, die teilweise überfordert sind; Kinder, die zwischen den Elternteilen hin- und hergeschoben werden; Kinder mit gewalttätigen Vätern); · eine hohe Rate an Familien mit sozialen Benachteiligungen (Arbeitslosigkeit, Sozialhilfeabhängigkeit, Alkohol- und Drogenproblemen); · Schüler mit einer hohen Gewaltbereitschaft; · Schüler, um die sich niemand kümmert; · einen Ausländeranteil von ca 33 % Das wesentliche Ziel der Hauptschule Karnap besteht darin, allen SchülerInnen - gerade und besonders denjenigen, deren Familien ihnen nur wenig Lebenshilfe geben können - Perspektiven für eine positive Lebensplanung zu vermitteln, um den Teufelskreis der in erschreckendem Maße vorhandenen Schulmüdigkeit, Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit zu durchbrechen, ihnen ein Stück „Heimat" zu bieten mit Angeboten zur sinnvollen Freizeitbeschäftigung. Neben der Vermittlung der notwendigen Basisqualifikationen legen wir besonderen Wert auf Erziehung, auf die Förderung der sog. Schlüsselqualifikationen, die heute häufig in den Familien vernachlässigt wird. Denn nur wer neben den fachlichen Kompetenzen auch über die notwendigen persönlichen und sozialen Kompetenzen verfügt, kann die gesellschaftlichen Anforderungen im persönlichen und beruflichen Bereich bewältigen. Problemlage: Viele unserer Schüler in den Abschlussklassen können für sich keine Perspektive in beruflicher und sozialer Hinsicht erkennen und verfügen weder über eine Vorstellung von ihrem Berufswunsch noch über die nötige Ausbildungsreife, so dass ein immer größer werdender Teil der Schüler keinen Ausbildungsplatz findet oder die Lehre vorzeitig abbricht. Die meisten haben bereits in der Grundschule schulische Misserfolge erlebt und keine Lern- und Leistungsmotivation entwickeln können. Sie verfügen nur über ein geringes Selbstwertgefühl und eine geringe Frustrationsgrenze. In vielen Fällen werden sie von den Eltern allein gelassen. Hier möchten wir mit dem Projekt „Lernwerkstatt" präventiv bereits im 8. Schuljahr einsetzen, um die Selbstkompetenzen zu stärken, die Sozialkompetenzen weiterzuentwickeln und den Schülern zu helfen, eine konkrete Lebens- und Berufsperspektive zu entwickeln. Durch produkt- und prozessorientiertes Handeln in realen Arbeitssituationen fühlen sich die Schüler ernstgenommen und können Interesse und Motivation neu geweckt, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt werden. Ziele: · Vermittlung von Basisfertigkeiten (Grundfertigkeiten wie Maßstäbe umrechnen, Zeichnungen erstellen, mit Materialien, Werkzeugen, Maschinen fachgerecht umgehen, praktische Arbeitsabläufe kennenlernen) · Trainieren von Arbeitsverhalten (Pünktlichkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Ordnungssinn, Selbstorganisation, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit, Teamfähigkeit) · Stärken des schwachen Selbstwertgefühls, des mangelnden Selbstvertrauens, · Stärkung von Selbstkompetenzen (Entwickeln von Interessen, Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft) · Schüler können erproben, über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie verfügen, · individuelle berufliche Orientierung mittels einer Vorqualifizierung, · Erhöhung der Ausbildungsfähigkeit, · Erhöhung der Chance auf einen Ausbildungsplatz Organisation: · 32 Schüler/innen des 8. und 9. Jahrgangs auf freiwilliger Basis, allerdings eingebunden in den Arbeitslehre/Technik- und Wahlpflichtunterricht; · 4 Unterrichtstunden (= 3 Zeitstunden) pro Woche; · Lernwerkstätten in den Bereichen: Holz, Metall, Bau; Dauer: Februar 2002 - Januar 2004 Die Aral-Stiftung Bochum unterstützt dieses Projekt mit ca 30 000 €. Dadurch wird uns ermöglicht, die Lernwerkstätten mit gutem Werkzeug und Maschinen auszustatten sowie ehemaligen Ausbildern der Kreishandwerkerschaft und der Bauindustrie eine kleine Aufwandsentschädigung zu zahlen, die die Jugendlichen in den Bereichen „Holz", „Metall" und „Bau" qualifizieren. Lernwerkstatt „Holz": Die Schüler sollen in den ersten 4 Wochen Grundfertigkeiten und –kenntnisse bei der Holzbearbeitung erwerben. Danach werden kleine Arbeiten angefertigt, die auf den Grundfertigkeiten aufbauen und diese schrittweise erweitern und festigen, z. B.: Spiegelrahmen, Ständer für Schreibtisch, Küchenrollenhalter, Blumenbank, Vogelhaus, Dampfwalze, CD-Ständer. Zusätzlich sollen die Projekte „Grillecke" und „Erneuerung und Ergänzung der Sitzgelegenheiten auf dem Schulhof" durchgeführt werden. Lernwerkstatt „Metall": In den ersten Wochen werden anhand von Säge-, Anreiß- und Feilübungen Grundkenntnisse und –fertigkeiten im Umgang mit Werkzeug und Material erworben. Danach werden in Abstimmung mit den Schülerinteressen kleinere Objekte angefertigt und so Kenntnisse und Fertigkeiten angewandt, vertieft und erweitert, z. B.: Mobile, Briefständer, Briefbeschwerer (Würfel), Papagei. Des weiteren sollen eigene Projektvorhaben bzw. in Koordination mit den Projekten im Holz- und Baubereich notwendige Metallarbeiten durchgeführt werden. Lernwerkstatt „Bau": In der ersten Phase gestalten die Schüler/innen den Platz neben der Pausenhalle. · Sie entfernen bzw. beschneiden einen Teil des Gebüsches. · Der so entstandene Platz wird begradigt und mit Öko-Rasensteinen versehen. · Dieser Platz wird in einer späteren Phase der schuleigene Grillplatz werden, zunächst aber dient er ersten Mauerversuchen. Die Schüler/innen lernen zunächst den Umgang mit den entsprechenden Mauerwerkzeugen, dann einige Mauertechniken kennen: Block- und Kreuzverband und die entsprechenden Mauerecken. In der dritten Phase errichtet die Lernwerkstatt „Bau" in Zusammenarbeit mit den anderen Lernwerkstätten den schuleigenen Grillplatz. Dieser besteht aus dem eigentlichen Grill und verschiedenen gemauerten Sitzgelegenheiten. Aktueller Stand des Projekts: Im Frühjahr 2002 hatten die Schüler zunächst Gelegenheit, in einer 10 wöchigen Schnupperphase zwei der drei Werkstätten kennenzulernen und haben sich dann festgelegt, in welchem der Bereiche sie tätig sein wollen. Die Grupppe „Bau" hat zunächst eine bisher ungenutzte Ecke des Schulgeländes gerodet, die später als Grillplatz ausgebaut werden soll. Außerdem haben die Schüler Sitzhocker aus Beton gegossen, die von einer Kunstgruppe des 8. Jahrgangs bemalt werden sollen. Die Gruppe „Holz" wird die Sitzfläche aus Holzbohlen anfertigen und lackieren. Die Sitzhocker können variabel auf dem Schulgelände angeordnet werden. Die ersten Mauerversuche haben bereits im Zentrum der Bauindustrie stattgefunden. Die Gruppe plant, als nächstes ein Beet mit einer Sitzmauer zu umrahmen. Zuvor muss allerdings der Boden aufgespitzt werden, um ein solides Fundament zu gießen. Im Frühjahr wird dann die Grillecke in Angriff genommen. Die Gruppe „Holz" hat einige Grundübungen zum Messen, Anreißen, Feilen und Hobeln durchgeführt, um den sachgerechten Umgang mit Werkzeugen und Material zu erlernen. Dann bauten die Schüler einen CD-Ständer. Als nächstes werden die Sitzhocker der Baugruppe mit Holzbohlen versehen. Geplant sind kleinere Holzspielzeuge für den Weihnachtsbasar, sowie auch Reparaturarbeiten am Schulmobiliar. Die Gruppe „Metall" hat nach einigen technischen Zeichenaufgaben und Grundübungen mit dem Bau einer Waage begonnen. |
Presseveröffentlichungen:
| Nordanzeiger - 09. Oktober 2002 Aus den Lernwerkstätten werden mal Schülerfirmen Karnaper Hauptschüler wurden in Projekt eingebunden Mit Lernwerkstätten in den Bereichen Metall, Holz und Bau will die Hauptschule Karnap die Ausbildungsreife ihrer Schüler fördern. Die Aral-Stiftung Bochum unterstützt das Projekt mit 30.000 Euro. Mit dem Geld wurden dringend benötigte Werkzeuge, Arbeitsmaterialien und Sicherheitskleidung beschafft. Die fachspezifischen Kenntnisse vermitteln "alte Hasen", die mit Hilfe der Kreishandwerkerschaft Essen und des Ausbildungszentrum der Bauindustrie aus dem Ruhestand für diese Aufgabe gewonnen werden konnten. Koordiniert wurde das Projekt durch das Arbeitsamt Essen. Immer häufiger bleiben Schüler der Abschlussklassen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolglos oder brechen ihre Lehre ab, weil sie weder eine konkrete Vorstellung von ihrem Berufswunsch noch die notwendige Ausbildungsreife haben. Mit den Lernwerkstätten versucht die Hauptschule Karnap, den Schülern ab der 8. Klasse zu helfen, eine konkrete Lebens- und Berufsperspektive zu entwickeln. |
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Einen Blick in die Arbeitswelt können die Schülerinnen und Schüler in den Lernwerkstätten werfen. |
32 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen acht und neun starteten im Frühlahr mit einer 10-wöchigen Schnupperphase. Seitdem arbeiteten sie 4 Unterrichsstunden pro Woche in ihren Lernwerkstätten. In gemeinsamer Arbeit der Gewerke soll eine bisher ungenutzte Ecke des Schulgeländes als Grillplatz ausgebaut werden. Um Grundkenntnisse und -fertigkeiten im Umgang mit Werkzeug und Material zu erleben, werden fachbezogene Arbeiten, wie der Bau eines CD-Ständers sowie die Herstellung eines Mobile eines Briefbeschwerers ausgeführt. Geplant sind Holzspielzeuge für den Weihnachtsbasar und Reperaturarbeiten am Schulmobiliar. Langfristig sollen die Lernwerkstätten als Schülerfirmen weitergeführt werden. |
| NRZ - Donnerstag, 26. September 2002 Grillplatz macht Appetit auf Ausbildung 32 Schüler der 8. und 9. Klasse der Hauptschule Karnap arbeiten seit dem Frühjahr an vier Schulstunden pro Woche in sogenannten Lernwerkstätten. Dort bekommen die Schüler durch Fachleute Einblicke in verschiedene Handwerks- und Bauberufe. So haben die Schüler beispielsweise in einer Ecke des Schulhofes begonnen, einen Grillplatz anzulegen. Sie wollen aber auch Holzspielzeug für den Weihnachtsbasar produzieren und lernen, defekte Schulmöbel wieder zu reparieren. Künftig sollen die Lernwerkstätten als eigene kleine "Schülerfirma" weitergeführt werden. Ziel ist es, die Jugendlichen frühzeitig mit der Berufswelt vertraut zu machen, damit sie wissen, was sie in der Lehre erwartet - sonst werden sie entweder gar nicht erst eingestellt, oder brechen die Lehre. Unterstützt wird das Projekt vom Arbeitsamt koordinierte Projekt mit 30.000 Euro durch die Bochumer Aral-Stiftung. |
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Packen es an: Die Bautruppe der Lernwerkstatt der Hauptschule Karnap gewinnt während des Schulalltags Einblicke in das Berufsleben. |
Ehrenamtlich geben sie ihre Erfahrung weiter. "Ich bin halt sozial erzogen", begründet Mechanikermeister Christoph Stein augenzwinkernd sein Engagement. Für ihn ist klar, warum es die heutige Generation schwer habe, an einen Ausbildungsplatz zu kommen. "Am meisten mangelt es der Jugend an Disziplin", betont der 69-Jährige. Mit unkonzentrierten, wenig belastbaren Lehrlingen hätten zahlreiche Arbeitsgeber schlechte Erfahrungen gemacht. "Viele brechen ihre Lehre ab, weil sie sich einfach etwas völlig anderes unter dem Beruf vorgestellt haben", bestätigt Dirk Katthagen von der Jugendberufshilfe. Durch das Karnaper Projekt erhalten die Schüler frühzeitig Einblicke in die Arbeitsabläufe der Wirtschaft. Die Idee dazu hatte das Arbeitsamt Essen. "Mit dem näheren Praxisbezug lassen sich Abgänger einer Hauptschule besser vermitteln", glaubt Berufsberater Thomas Mikoteit. Mechanikermeister Stein sieht das genau so:"Wenn man mit einer Waage, die man hier gebaut hat, ankommt, macht das beim Bewerbungsgespräch schon einen guten Eindruck". Ibrahim Miyanyedi hat bei der Lernwerkstatt vor allem eines gelernt: Dass sein bisheriger Traumberuf tatsächlich Spaß macht. |
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Presse-Information
Hauptschule Karnap fördert Ausbildungsreife |
Aral-Stiftung Bochum "Zweck der Aral-Stiftung ist es, zur Verringerung von Jugendarbeitslosigkeit im Ruhrgebiet beizutragen. Schwerpunktmäßig ist die Stiftung derzeit am Übergang Schule/Beruf tätig. Die Aral-Stiftung fördert die Lernwerkstätten an der Hauptschule Karnap in Essen, weil - durch dieses Programm die Ausbildungsreife von Schülern praxisnah und systematisch gefördert wird. - weil die Schüler eine arbeitsweltnahe Berufsorientierung erhalten. - weil das Lernen projektorientiert ist und damit eine individuelle Förderung der Schüler ermöglicht wird. - weil es eine enge Kooperation zwischen Schule und Arbeitswelt gibt, die sich insbesondere darin zeigt, daß Lehrer mit Ausbildern die einzelnen Werkstätten leiten." |
Bilder aus den drei
Werkstattbereichen:
Baubereich:
Herstellung von Sitzhockern aus Beton
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Vorbereitung des Geländes für den Bau eines Grillplatzes |
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Metallbereich: Grundübungen für den Bau einer Waage |
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Holzbereich: Grundübungen zum Messen, Anreißen, Feilen, Hobeln und Sägen |
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Presseberichte im Rahmen der Ausstellung "Wir erarbeiten unsere Zukunft"
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