Die
Hauptschule an der Kapitelwiese befindet sich im Essener Norden, im
Stadtbezirk VI, einem Stadtteil mit besonderem
Erneuerungsbedarf. Die Schule gehört zu Stoppenberg, grenzt aber
direkt an die Stadtteile Schonnebeck und Katernberg. Das direkte Umfeld
der Schule ist durch eine Vielzahl von sozialen
Problemlagen gekennzeichnet. Viele Familien leben von der Unterstützung
des Jobcenters / Agentur für Arbeit. Das Wohnumfeld ist geprägt von
einem sehr hohen Ausländeranteil, der sich auch innerhalb der
Schulstruktur deutlich widerspiegelt.
Die
bisherigen Erfahrungen haben
gezeigt, dass Ausbildung und Beruf gerade bei ausländischen Schülerinnen
und Schülern, bzw. deren Eltern, nicht immer als erstrebenswerte Ziele
gelten. Entweder werden berufliche Perspektiven seitens der Schüler unrealistisch
eingeschätzt („Abitur, „Arzt“) oder sind oftmals gar nicht erst
vorhanden.
In der Vergangenheit gelang es über die bisherigen
schulischen Angebote und Hilfestellungen, - z.B.
Betriebsbesichtigungen, Schülerbetriebspraktika oder außerschulische
Trainingsangebote für Berufsfindung und Bewerbung - nicht,
die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule an der Kapitelwiese für
eine Ausbildung zu motivieren uns sie bei der Suche nach dem passenden
Ausbildungsberuf zu unterstützen. Daher
wurde, initiiert durch das Projekt „Schule-Wirtschaft-Arbeitsmarkt“,
im Jahr 2002 das Modell Schülerfirma als Lösungsweg entwickelt.
Als
wesentliche Ergänzung zum Fachunterricht sowie zum bisherigen Konzept der
Berufswahlvorbereitung konzipiert, bietet die Schülerfirma
„Integration“ einen äußerst handlungs-
und praxisorientierten Ansatz für Schülerinnen und Schüler der
Klassen 8 bis 10. Es sollen zunächst primär diejenigen Jugendlichen
erreicht werden, die schon heute grundsätzlich an einer Berufsausbildung
interessiert sind. Deren Vorbild soll dazu beitragen, dass sich die
Zahl der möglichen einzubeziehenden Schüler weiter erhöht - so wie
im Teilbereich „Bistro“ bereits erfolgreich
etabliert.
Das
Gesamtprojekt „Schülerfirma“ bietet sich als ideales Modell an, weil durch die Vielzahl der darstellbaren Berufe
sowohl klassische „Mädchendomänen“ (Verkauf, Dienstleistungen, Büro),
als auch klassische „Jungendomänen“ (handwerklich/technischer
Bereich) gleichermaßen abgedeckt werden.
Die
Schülerfirma hat die folgenden Ziele:
- Motivation
der Schülerinnen und Schüler für eine Berufsausbildung
- Stärkung
des Lern- und Bildungsbewusstseins im bestehenden sozialen Umfeld
- Verbesserung
der Chancen auf einen Ausbildungsplatz, insbesondere durch...
Erwerb von Schlüsselqualifikationen,
die in allen Berufen erforderlich sind, wie z.B.
Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit,
Kommunikationsfähigkeit etc.
Sammeln von eigenen praktischen
Erfahrungen in unterschiedlichen Berufen
-
dadurch Vorteile bei einer späteren
Bewerbung.
Kontakt zu potenziellen
Ausbildungsbetrieben, gewährleistet durch
die vielen
Kooperationspartner im Gesamtprojekt.
! Erfolgreicher Übergang von der
Schule in die Berufsausbildung
bereits
mehrere Schüler haben durch
ihre Mitarbeit im Projekt einen
Ausbildungsplatz
bei direkten bzw. indirekten Kooperationspartnern gefunden.
Das
Gesamtprojekt wurde im Schuljahr 2002/2003 mit dem Teilbereich
"Bistro" gestartet. Gemeinsam mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern
aus Wirtschaft und Handwerk wurde die vorhandene Schulküche zu einem
hochfunktionalen und vollwertig ausgestatteten Bistro erweitert, zudem ein
weiterer Schulraum zu einem Speiseraum umgebaut und eingerichtet. Seit
2005 ist das Bistro in Betrieb und wird von den am Projekt beteiligten
Lehrern und Schülern (derzeit 20) eigenverantwortlich
betrieben und betreut.

Die
Schülerinnen und Schüler des Bistros:
·
übernehmen
den gesamten Produktions- und Serviceablauf (einkaufen, kochen, servieren)
entwickeln ein Bewusstsein für gesunde Nahrung
erlernen
Benimm- und Verhaltensregeln
organisieren
Arbeitsabläufe (Warenbedarf ermitteln, Warenbestand kontrollieren)
II.) Für
den Teilbereich „Werkstatt“
ist die Errichtung eines ca. 70 qm
großen Gebäudes auf dem
Schulgelände notwendig, da die Schule nicht über die erforderlichen Räumlichkeiten
verfügt.
Das Haus wird - ebenfalls als Projekt - von den Schülerinnen und Schülern
im Verbund mit der Altenessener Handwerker-Initiative e.V. (AHI) , die
nicht nur das nötige Fachwissen sondern auch die benötigten
Arbeitsgeräte und Man-Power mit einbringt, sowie
mit weiteren
Kooperationspartnern aus dem Baugewerbe selbst errichtet.
Nach
erfolgter Planungs- und Genehmigungsphase begannen im Mai 2006 die
Fundamentaushubarbeiten. Während der Sommerferien wurden von Fachfirmen sämtliche
Versorgungsleitungen und -anschlüsse gelegt. Im September 2006 begannen -
unter aktiver Beteiligung der Schüler
- die eigentlichen Bauarbeiten.
Dazu zählen:
- Fundamente
bewehren und betonieren
- Sohle
herstellen
- Verfüllung
- Mauerwerk
- Deckenschalung
... sowie im weiteren Verlauf des Projekts
- Sanitär,
Heizung, Elektro (Rohmontage)
- Fliesen,
Versiegelung u.v.a.m.
Nach
der Fertigstellung des Werkstattgebäudes (geplant: Sommer 2008) und
dessen Inneneinrichtung soll sich dieser Firmenteil vornehmlich mit der
Produktion von Lernmitteln
und Ordnungsmaterialien sowie Spielsachen für Kinder und Eltern aus
dem Umfeld der Schule beschäftigen.
Das endgültige Produktprogramm wird mit Hilfe einer Marktanalyse, die zu
einer der ersten Aufgaben im Projektbereich Büro gehören wird, überprüft und erstellt.
Unabhängig
von der eigentlichen Projektidee wird die Werkstatt auch für andere berufsvorbereitende
Projekte der Schule genutzt. Vor diesem Hintergrund wird die Zahl der
Schüler, die die Möglichkeiten der Werkstatt nutzen werden, deutlich erhöht.
III.)
Im Teilbereich „Büro“ der Schülerfirma sind die organisatorischen
und die betriebswirtschaftlichen
Aufgaben für das Bistro und die Werkstatt angesiedelt. Hier geht es
um die Marktanalyse, die Beschaffung von Materialien (Einkauf), die
Verwaltung der Bestände (Lagerwirtschaft), die
Kalkulation/Preisgestaltung der Produkte, die Abrechnung
(Buchhaltung/Kostenrechnung) sowie um die Entwicklung von geeigneten Marketingstrategien
und der Einsatzplanung für die Verkaufsstände. Die Mitarbeit im Büro
ist besonders für Schülerinnen und Schüler gedacht, die sich für eine
Ausbildung im Büro- bzw. Verkaufsbereich interessieren.
Mit
Hilfe der Schülerfirma „Integration“ wird den besonderen Problemlagen
an der Schule auf vielfältige Art und Weise Rechnung getragen.
I.)
Durch
die Breite des Angebotes und
die damit verbundene Darstellung
von vielen unterschiedlichen Berufsfeldern bzw. Einzelberufen
werden sehr viele Jugendliche erreicht. Insgesamt kommen
81 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10 für eine
Mitarbeit im Gesamtprojekt in Betracht.
II.)
Die Motivation
der Schüler, sich mit dem Thema Berufswahlvorbereitung
auseinanderzusetzen, steigt durch den praxis- und handlungsorientierten
Projektansatz erheblich.
III.)
Durch
die Vielzahl der beteiligten Kooperationspartner aus Handwerk und Gewerbe wird ein direkter
Kontakt zwischen Betrieb und Schüler hergestellt. Der
Ausbildungsplatzanbieter hat die Möglichkeit, „vor Ort“ potenzielle
Bewerber im praktischen
Einsatz, noch dazu über einen längeren Zeitraum, kennen zu lernen - was
für den Schüler eine deutliche Verbesserung der eigenen Chancen auf einen
Ausbildungsplatz darstellt.
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