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WAZ - Nummer 72, Mittwoch, 26. März 2003
Jugendliche testen
Arbeitsleben in der Glashütte Wisthoff
Projekt "Aus Sand wird Glas"
gibt Hauptschülern die Chance, Berufe hautnah kennen zu lernen -
Firma hofft auf qualifizierten Nachwuchs
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Das flüssige Glas
glüht: Die Anlage begutachten
Praktikant David Kresimon, Heinz-Werner Masek,
stellv. Betriebsratsvorsitzender. |
Fläschchen für Infusionen müssen keimfrei sein. |
Von Liliane Zuuring
Die Trittgeräusche der Arbeitsschuhe auf den Metalltreppen verschluckt der Maschinenlärm. Kleine Kümmerling-Flaschen ziehen auf einem Fließband an Waldemar vorbei. Der Praktikant bei der Glashütte Wisthoff greift sich mit einer Zange eine, hält sie prüfend hoch.
Ohrstöpsel sind Pflicht. 35 Grad heiß ist es in der Halle. Normalerweise würde Waldemar jetzt im kühlen Zimmer der neunten Klasse der Hauptschule Eiberg seine Schulbücher wälzen - wenn er nicht am Projekt "Aus Sand wird Glas" teilnehmen würde. Sechs Schüler und ein Jugendlicher der Kreishandwerkerschaft durchlaufen in vier Wochen alle Abteilungen des Betriebs, packen mit an. Das gefällt Waldemar. Sich "die Fachbegriffe zu merken", fiel ihm dagegen anfangs schwer. Jetzt führt er mühelos an Maschinen vorbei:" Hier ist die
Gemengeherstellung. Sand, Soda, Kalk werden vermischt." 60 Prozent der in Steele produzierten Glasbehältnisse sind für die pharmazeutische Industrie, 20 Prozent für die Kosmetikbranche wie Puma-Parfüm-Flaschen, und 20 Prozent machen Fläschchen für Kleinspirituosen aus. Auch Pelikan-Tintenfäßchen laufen vom Band. Rot glühend und zischend schießt das flüssige Glas aus der ersten Etage in die Vorformen, wird dann ausgeblasen: 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Dimitrijs Schutzbrille baumelt lose um den Hals. Er trägt einen blauen Arbeitsanzug mit dem grünen Firmen-Logo "Wisthoff seit 1723". Sicheren Schritts findet er seinen Weg
zwischen Schläuchen, Rohren und stampfenden Robotern hindurch zu seinem heutigen Arbeitsplatz: Qualitätsprüfung. Dimitrij wiegt die Flaschen und guckt genau hin: "Ist das Glas unregelmäßig oder dreckig, muss die Form ausgewechselt werden." David gefällt der
"abwechslungsreiche Bereich Betriebsinstandhaltung gut."
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Da kommt Kümmerling
rein. David prüft bei Wisthoff gerade
die Qualität des Glases. WAZ-Bilder (3):
Daniel Roth/FAR |
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Die Glashütte Wisthoff beschäftigt 350 Mitarbeiter, hat gerade in zwei neue Glasschmelzöfen investiert. Bis zu 20 Auszubildende arbeiten in acht gewerblich-technischen Berufen oder im kaufmännischen Bereich. Aber: "Wir haben Probleme, qualifizierten Nachwuchs zu finden", so Personalleiterin Annegret Knuth. Für die Glasproduktion begeistern möchte das Unternehmen junge Menschen. Der Vorteil für die Praktikanten: "Jeder vierte Jugendliche bricht seine Ausbildung ab. Hier erleben sie vorher hautnah, was auf sie zukommt", so Marc Steinert, Jugendberufshilfe Essen e.V., Koordinator des Projektes "Schule-Wirtschaft-Arbeitsmarkt". Dafür sucht er noch weitere Firmen. David jedenfalls möchte gerne eine Ausbildung bei Wisthoff beginnen. Und Dimitrij weiß jetzt, dass er "Abitur machen will".
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NRZ - Nummer 73, Donnerstag, 27. März 2003
Praktikum für Neuntklässler: Aus
der Schule in die Glashütte
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Dimitrij (v. l.), Ramin, David, Carson, Görkan, Kevin und Waldemar haben für vier Wochen die Schulbank mit der Werkhalle getauscht. In der Reihe "Schule-Wirtschaft-Arbeitsmarkt" des Arbeitsamtes sammeln die Neuntklässler der Hauptschule Eiberg jetzt praktische Erfahrungen in der Steeler Glashütte Wisthoff. Das Ziel: Schüler sollen sich vor der Ausbildung ein konkretes Bild von ihrem möglicherweise zukünftigen Beruf machen. Derzeit bricht jeder vierte Jugendliche seine Lehre ab. Der Einsatz bei Wisthoff ist nach Angaben des
Arbeitsamtes eins von über 80 Projekten, die schon initiiert wurden.
(NRZ-Foto: Tietz) |
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