Hauptschule Bochold - Diverse Partner:
Projekt: "Schülerfirma Theater"

  Hauptschule Bochold

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I. Generelles

1. Einführung

Lage und Bevölkerung

Der Stadtteil Bochold hat eine Fläche von 325,6 ha und liegt zwischen Borbeck im Norden und Altendorf im Süden. Vom Fliegenbusch bis zur Haus-Berge-Straße durchzieht die Bocholder Straße den Stadtteil. Die Fron- leichnamskirche an der Wüstenhöfer - Str. bildet den Kern des Stadtteils. Bochold ist heute geprägt von lockerer Wohnbebauung, die Spuren der industriellen Vergangenheit - die Kokerei Wolfsbank, die Kruppschen Werke oder die Zeche Amalie - sind im Stadtbild kaum noch auszumachen. Gerade im Bereich der Otto-Brenner-Str. sowie auf dem ehemaligen Wolfsbankgelände sind neue Wohnsiedlungen entstanden.


Wirtschaft und Arbeits- und Ausbildungsmarkt
Die Wirtschaftsstruktur im Stadtteil Bochold wird durch klein- und mittelständische Betriebe bestimmt. Insgesamt gibt es rund 80 Ausbildungsbetriebe, die Lehrstellen in 32 Ausbildungsberufen anbieten (Arzthelferinnen, Bürokaufleute, Dachdecker, Gas - und Wasserinstallateure, Gebäudereiniger, Kaufleute, Maler- und Lackierer, Metallbauer,...)


2. Die Hauptschule Bochold
Zum Schuljahr 1989/90 ist die Hauptschullandschaft in Essen neu strukturiert worden. Im Zuge dieser Umge- staltungen ist die Hauptschule Bochold durch die Zusammenlegung mehrerer Schulen entstanden. Die Haupt- schule hat zwei Standorte: in der Haus-Berge-Str.werden die Klassen 7 - 10 und in der Jahnstr. die Klassen 5 -6 beschult. Man benötigt ca.15 - 20 Minuten Fußweg von einem Gebäude zum anderen. Durch diese räumliche Trennung ist Schülern und Eltern oft nur schwer zu vermitteln, dass es sich um eine Schule handelt. Durch wechselseitige gemeinsame Veranstaltungen wird versucht, ein "Wir sind eine Schule - Gefühl" zu entwickeln.

Im letzten Jahr haben von den 77 Schülern der 10. Klassen 30 Schüler die Schule mit der Fachoberschulreife (Typ 10 b) sowie 47 Schüler die Schule mit dem Hauptschulabschluß nach Klasse 10 (Typ 10 a) verlassen. In den 9. Klassen haben von 70 Schülern 10 die Schule mit dem Hauptschulabschluß nach Klasse 9 beendet.


Schulprogramm
Ziel ist eine schülergerechte und schülerorientierte Unterrichtsgestaltung. Zahlreiche Untersuchungen haben belegt, dass 90% der Hauptschüler vorrangig praktisch-anschaulich begabt sind. Die Schüler lernen in der Hauptschule Bochold daher auf dem Weg des "learning by doing" sowohl auf der methodisch-strategischen als auch auf der sozial-kommunikativen Ebene. Eigenverantwortliches Arbeiten, Teamarbeit und Kommunikati- onskompetenz haben daher eine große Bedeutung im täglichen Unterricht. Offene, handlungsorientierte Un- terrichtsformen tragen diesem Anspruch Rechnung. Dem Prinzip Handlungsorientierung entspricht die Pro- jektarbeit, die den Schülern Raum für die Entfaltung ihrer sehr unterschiedlichen Begabungen und Talente gibt. Projektarbeit ist Entwicklungsarbeit und Entwicklung ist Lernen.


Neben der Bildungsarbeit wird der Erziehungsarbeit in den Klassen 5 und 6 ein besonderer Stellenwert einge- räumt. Anknüpfend an die Grundschule werden die Schüler in kleinen Gruppen speziell gefördert und bei den Hausaufgaben betreut. In regelmäßigen Stufenkonferenzen werden Leistungsstand und -vermögen der einzelnen Schülerinnen und Schüler erörtert und Konzepte zur speziellen Förderung entwickelt. Die Klassen 5 und
6 bilden eine Einheit und dienen der Erprobung ( Erprobungsstufe 5/6) und der Ermittlung des richtigen zu- künftigen Lernortes.

Der Bereich der Berufswahlvorbereitung ist ein weiterer Schwerpunkt in der Schularbeit. Die Schule bietet den Schülern ab Klasse 7 in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt, den Berufskollegs und der Wirtschaft vielfältige Möglichkeiten, sich mit der Berufswelt vertraut zu machen. Dazu gehören:
- Schülerbetriebs-, Jahres- und Schnupperpraktika sowie Betriebserkundungen
- Einzelhandels- und Berufsschultage
- Berufe Live im Klassenzimmer (Videokonferenzschaltungen aus dem Unterricht heraus in Betriebe)
- die "Bocholder Bewerbungswoche" (Bewerbungstraining in der Stufe 9)
- Zeus (Zeitung und Schüler)

Zum weiteren Bildungsangebot der Schule zählen unter anderem Sport - AGs (Fußball, Volleyball), der Schul- chor, die Schulband (ist im Stadtteil bekannt), Informatikkurse, Kochkurse, eine Bäckerei - AG, eine Kunst - AG (u.a. Mode aus "Müll"), eine AG - Lichthof (eigenverantwortliche Pflege von Teich und Grünanlagen), eine Bewegungswerkstatt, Arbeitsgemeinschaften zur Gewaltprävention sowie Selbstbehauptungskurse.



II. Schülerfirma "Theater"

1. Problembeschreibung


Die bisherigen Angebote und Hilfestellungen für Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach dem "passenden" Ausbildungsberuf werden den bestehenden Problemlagen in vielen Fällen nicht mehr gerecht. Dies wird deutlich durch:
- eine steigende Zahl von Ausbildungsabbrüchen aufgrund falscher Vorstellungen über einen Beruf,
- die Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsstellen in Berufen, die wenig bekannt oder mit Vorurteilen behaftet sind,
- die bei Schülern vorhandenen Defizite im Bereich der Elementarfächer sowie der Schlüsselqualifikationen.

Ein möglicher Lösungsansatz ist es, die Angebote der Schule und der Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen um einen handlungs- und praxisorientierten Ansatz zu erweitern, ausgerichtet an realistischen Ausbildungsmöglichkeiten. Die bisherigen praxisorientierten Angebote wie Betriebserkundungen und Schülerbetriebspraktika vermitteln oft nur punktuelle Einblicke und reichen insbesondere bei schwächeren Schülern für eine tragfähige Berufswahlentscheidung, bei der Neigungen, Fähigkeiten und Anforderungen in Einklang gebracht werden, nicht aus.

2. Zielsetzung
Vor diesem Problemhintergrund soll in der Hauptschule Bochold - als wesentliche Ergänzung zum Fachunterricht sowie des bisherigen Konzeptes der Berufswahlvorbereitung - eine Schülerfirma gegründet und auf Dauer in den Schulalltag integriert werden. Der Ansatz deckt sich mit dem im Schulprogramm festgeschriebenen handlungsorientierten Unterrichtskonzepten sowie dem fächerübergreifenden Arbeiten. Die Schülerfirma hat starken Präventivcharakter und folgende Ziele:

- durchgängiger praxis- und handlungsorientierter Unterricht in den letzten 2 Jahren vor der Schulentlassung (9. und 10. Klassen) - verbunden mit einem Motivationsschub, insbesondere für eher praktisch begabte Schüler.
- Vermittlung von eigenen praktischen Erfahrungen in der Ausbildungs- und Arbeitswelt bzw. in den einzelnen Berufsbildern. Damit erwerben die Schüler eine qualifizierte Entscheidungsgrundlage für ihre Berufswahl (Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen). Darüber hinaus können die in allen Berufen erforderlichen Schlüsselqualifikationen wie z. B. Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit, Kommunikationsfähigkeit vertieft werden.
- Vermittlung praktischer Erfahrungen mit Betriebsabläufen und -strukturen sowie mit betrieblichen Anforderungen. Dies kommt den Schülerinnen und Schülern bei der Bewerbung und später in der Ausbildung zugute - Stichwort: Findung der eigenen Rolle im Betrieb.
- Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen und Misserfolgen bei der Suche nach einer geeigneten Lehrstelle.
- Vorteile bei einer Bewerbung, denn die Schülerinnen und Schüler können bei ihren Schilderungen auf praktische Erfahrungen zurückgreifen.
- Das Projekt verändert auch den Unterricht in der Schule, da eine Verzahnung mit den klassischen Schulfächern wie Deutsch und Mathematik stattfindet. So hat z. B. eine Berechnung im Fach Mathematik plötzlich einen direkten praktischen Bezug. Die Ergebnisse werden anschließend im Projekt umgesetzt, die Schülerinnen und Schüler erkennen, wozu bestimmte Rechentechniken - auch in der späteren Berufsausbildung - benötigt werden.
- Ständiger Austausch mit der betrieblichen Praxis, d. h. stärkere Berücksichtigung von aktuellen Entwicklungen auf dem Ausbildungs- uns Arbeitsmarkt im Konzept der Berufswahlvorbereitung der Schule.
- Die Schülerfirma wird dazu beitragen, daß die verschiedenen Nationalitäten über die gemeinsame Arbeit zusammenfinden und für eine Ausbildung motiviert werden.

Erfolgreiche Bildungs- und Erziehungsarbeit benötigt die Mitwirkung vieler Akteure im Umfeld der Schule. Der Schlüssel zu Veränderungen bzw. zum Erfolg liegt in der frühzeitigen Einbindung von Unternehmen und Betrieben sowie weiterer kompetenter Partner in den Schulalltag. Nur so können die Ziele - zu beiderseitigem Nutzen - erreicht werden. Die Schülerfirma in der Hauptschule Bochold benötigt daher Partner sowohl aus der Essener Wirtschaft als auch aus dem Umfeld der Schule.

3. Konzeption
Das Projekt soll im Schuljahr 2003/2004, d. h. zum Schuljahresbeginn im September 2003, beginnen. Insgesamt gibt es in der 9. und 10. Jahrgangsstufe 141 Schülerinnen und Schüler. Von diesen Schülern werden mindestens 70 in das Projekt eingebunden. Es besteht für weitere interessierte Schüler jederzeit die Möglichkeit, sich am Projekt zu beteiligen. Zusätzlich werden sich Schüler der Klassen 5 - 8 im künstlerischen Bereich (Theateraufführung,.....) beteiligen.



Die Schülerfirma "Theater" kann in drei Bereiche untergliedert werden:



a) Theaterwerkstatt
In der Theaterwerkstatt werden Grafiken und Pläne erstellt, Kulissen und Theatertechnik (Beleuchtung, Bühnentechnik) gebaut, Kostüme genäht sowie Requisiten hergestellt. Die darstellbare Berufspalette umfaßt den Bau-, den Holz, den Metall-, den Elektro- , den Maler-, den Druck- sowie den Textilbereich. Die Schülerinnen und Schüler erwerben Grundkenntnisse und Fertigkeiten in den entsprechenden Ausbildungsberufen, die sie be- sonders interessieren. Darüber hinaus können sie ihre persönliche Eignung für einen bestimmten Ausbildungs- beruf deutlich besser einschätzen.

Unabhängig von der Theaterthematik wird die Werkstatt auch für andere berufsvorbereitende Projekte der Schule genutzt. Vor diesem Hintergrund wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Möglichkeiten der Werkstatt nutzen werden, deutlich erhöht. Für die Theaterwerkstatt wird ein massives Gebäude auf dem Schulgelände an der Haus-Berge-Str. errichtet. Der Bau wird ebenfalls als Schülerprojekt durchgeführt. Da die Hooligenszene von Rot-Weiß-Essen das Schulgelände als Platz für Schlägereien mißbraucht und in der Vergangenheit schon einige Schäden durch Vandalismus und Einbrüche entstanden sind, muß die Werkstatt möglichst stabil errichtet und besonders gesichert werden.


Beschreibung Theaterwerkstatt:
- eingeschossiges Gebäude ohne Keller
- Grundfläche ca. 70 qm mit 4 Bereichen - Textilbereich 16 qm, Werkstattbereich 40 qm, Bürobereich 8 qm, 2 Toiletten / 3 Waschtische 6 qm. Eingebundene Schulfächer / Beteiligung der Lehrer Technik, Wirtschaftslehre, Kunst, Hauswirtschaft, Textilgestaltung, Deutsch, Mathematik, Physik, Musik.

Die jeweiligen Fachkonferenzen, in der alle Lehrer der genannten Fächer vertreten sind, sind für die Durchführung des Projektes verantwortlich. Projektthematiken werden im Rahmen des normalen Unterrichts in den genannten Fächern bearbeitet. So profitieren auch nicht direkt am Projekt beteiligte Schüler vom praxisbezogenen Ansatz. Zusätzlich werden 2 - 4 Unterrichtsstunden pro Woche im Wahlpflichtbereich für das Projekt in den Stundenplan integriert. Die Schüler verpflichten sich damit vorab auch zu einer kontinuierlichen Mitarbeit im Projekt. Diese Einbindung gilt auch für die anderen Bereiche der Schülerfirma.

b) Bürobereich
In diesem Bereich der Schülerfirma sind die organisatorischen und die betriebswirtschaftlichen Aufgaben angesiedelt. Hier geht es um die Planung von Veranstaltungen/Auf-führungen, die Beschaffung von Materialien (Einkauf), Verwaltung der Bestände (Lagerwirtschaft), die Kalkulation/Preisgestaltung und Abrechnung (Buchhaltung/Kostenrechnung) sowie um die Entwicklung von Marketingstrategien.
Dieser Bereich ist besonders für Schülerinnen und Schüler interessant, die sich für eine Berufsausbildung im Büro- bzw. Verkaufsbereich interessieren. Eingebundene Schulfächer / Beteiligung der Lehrer Wirtschaftslehre, Mathematik, Deutsch - (z. B. Kalkulationen, Angebote einholen,...)

c) Künstlerischer Bereich
Die Hauptschule will mit interessierten Schülerinnen und Schülern Theaterstücke und Musicals aufführen. Die Stücke können in der Turnhalle der Schule oder in anderen Räumlichkeiten im Stadtteil aufgeführt werden. Die Theater AG soll als Kulturangebot im Stadtteil etabliert werden. Eingebundene Schulfächer / Beteiligung der Lehrer Kunst, Musik, Textilgestaltung (Kostüme), Deutsch (Texte). Im Rahmen einer freiwilligen Theater-Arbeitsgemeinschaft 1 x pro Woche nach der Schulzeit geprobt; vor den Aufführungen - je nach Bedarf - entsprechend häufiger.


Fazit
Das Besondere an diesem Ansatz ist die Breite der darstellbaren Berufspalette. Es ist möglich, sehr viele Schüler mit den unterschiedlichsten Interessen, insbesondere auch die Schülerinnen, an diesem Projekt zu beteiligen. Eingebunden werden sollen die Schüler im künstlerischer Bereich möglichst schon ab der 6. Klasse. Die gleichzeitige Beteiligung eines Schülers an den unterschiedlichen Bereichen des Projektes oder der Wechsel in einen anderen Bereich ist möglich.

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